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Ich möchte euch warnen, dieser Artikel kehrt mal wieder die Seite in mir nach außen die nicht immer gesellschaftsfähig ist. Wer mich also als den mehr oder weniger netten Kerl mit Hund in Erinnerung behalten möchte, sollte hier nicht weiterlesen.

Die Tage sah ich ein Foto eines Teilnehmers des Marathons in München, auf diesem waren vier Sanitäter zusehen die eine Person auf einer Rolltrage hatten und diese trage über die Tartanbahn des Stadions schoben.
Unter diesem Bild stand diese rührende Geschichte:

 

Als ich am Sonntag im Olympiastadion meinem Papa beim Zieleinlauf begrüßen wollte, wurde ich Zeuge einer so so tollen Geste das ich gern mal danke sagen will.
Danke an die vielen Helfer und in diesem Speziellen Fall großen Dank an die Sanitäter.
In der letzten Kurve im Olympiastadion also nur wenige Meter vor dem Ziel brach eine Frau zusammen. Es sah so aus als wenn einfach der Kreislauf versagte . Nach wenigen Sekunden waren auch schon Sanitäter vor Ort.
Als die Frau dann auf der Trage lag machten die Sanitäter was in meinen Augen einfach so großartig war.
Sie schoben die Trage im laufen vor sich her und liefen mit Ihr die Runde zu Ende und unter jubelnden und klatschenden Zuschauern ins Ziel.
Das war ein so toller Augenblick der Nächstenliebe das ich es hier gern Posten wollte.
Danke an alle Helfer nochmal aber speziell an diese Sanitäter für diese tolle Aktion .

Jetzt weiß ich nicht genau ob es Absicht der Sanitäter war mit der Frau diese Runde zu Ende zu laufen, oder ob der Weg durchs Ziel einfach der Kürzeste war.

Auf Rollen ins Ziel?

Was ich aber an der Geschichte seltsam finde sind die Reaktionen darunter. Nahezu alle Kommentatoren waren sich einig dass das eine wirkliche tolle Geste gewesen sein, ein Schritt zu mehr Menschlichkeit etc. Sie habe trotzdem gefinisht und das dank der Sanitäter. Spätestens da hörte es bei mir auf. Nein sie hat den Lauf definitiv nicht beendet, nicht aus eigener Kraft und darauf kommt es ja eigentlich doch an. Versteht mich nicht falsch, ich mache der Läuferin da keinen Vorwurf oder will ihre Leistung schmälern. Sie ist immerhin bis kurz vors Ziel gekommen und hat sich wahrscheinlich lange Zeit darauf vorbereitet. Die eigentliche Leistung ist doch im Grunde die Trainingsleistung und der Wettkampf „nur“ die Belohnung für all die Arbeit. Ein DNF ist absolut keine Schande, viele Profis steigen beim Marathon lieber bei km 35 aus als dass sie sich für eine schlechte Platzierung ins Ziel quälen und die Regeneration unnötig verlängern. Ok, deren DNF ist auf einem anderen Niveau aber auch sie überqueren die Ziellinie dann eben nicht. DNF ist DNF. Ob ich davor auf Weltrekordkurs war oder nicht zählt nicht, verkackt ist verkackt.

Die Kommentare spiegeln allerdings wunderbar die Einstellung vieler Freizeitläufer und sub6 Stunden Marathonläufer wider. Hauptsache einen Marathon „gelaufen“ und sei es bis knapp an den Zielschluß. Sportlicher Ehrgeiz bedeutet für viele lediglich sich zu bewegen, Wettkämpfe läuft eh kaum einer noch. Ja auch ich bin ein langsamer Läufer (ja, ist immer relativ) der definitiv nie um Platzierungen laufen wird, zumindest nicht geplant. Weil ich es nicht kann und vor allem weil ich es nicht will bzw. nicht bereit bin die nötige Trainingszeit zu investieren. Der einzige Wettkampfgegner dem ich bei meinen offiziellen Läufen begegne und gegen den ich antrete bin immer ich selbst. Aber ich gehe an jeden (naja fast jeden) Wettkampf mit dem nötigen Ernst und Respekt an, immer mit dem Ziel das bestmögliche Ergebnis für mich zu erzielen. Und sei dieses Ziel nur den Wettkampf als langen Trainingslauf zu nutzen oder Freunde und Bekannte zu begleiten.

Der eigene Anspruch

Als ich damals meinen ersten Halbmarathon beim Mittelrhein Marathon gelaufen bin, habe ich im Vorfeld solange trainiert bis ich im Training sicher unter die 2 Stundengrenze gekommen bin. Diese Grenze ist auch heute noch mein Mindestanspruch bei flachen Strecken, beim Marathon liegt diese Grenze bei 4 Stunden. Es kann doch kein wirkliches Ziel sein einen Marathon einfach nur zu beenden und dafür dann 5 oder 6 Stunden zu benötigen. Mit Laufen hat das dann faktisch nichts mehr zu tun. Alleine die Tatsache dass ich meinen Körper damit unnötig lange belaste nur um sagen zu können ich sei schon mal Marathon zu laufen würde mich davon abschrecken, zumal man mit einer Marathonzeit von über 4 Stunden eh keinen mehr beeindrucken kann, außer man ist schwer übergewichtig, krank oder hat ein Handicap. Am allerwenigsten könnte ich mich aber damit selber beeindrucken. Es ist nicht meine Absicht jetzt hier die Läufer schlecht zu machen die meine Grenzen nicht einhalten können, die 2 bzw. 4 Stunden Marke ist eine rein individuelle Grenze. Es soll ja auch Läufer geben die einfach nicht schneller laufen können, alles kein Problem. Jeder wie er kann. Schaut man sich aber mal das letzte Viertel der Marathonfinisher an, so wird man feststellen dass diese Läufer nicht deshalb 5 oder 6 Stunden brauchen weil sie langsam aber eben konstant durchlaufen. Nein, wer in dem Bereich einen Marathon beendet, der ist in den meisten Fällen einfach von der Distanz überfordert und untertrainiert. Einbrüche oft schon ab knapp der Hälfte der Distanz zeigen ganz eindeutig dass das Training nicht ausreichend war. Warum man sich 42 km antut und dabei auf mehr als der Hälfte der Strecke leidet werde ich wohl nie verstehen.

Ich persönlich wollte nicht medienwirksam (ob das beabsichtigt war sei jetzt mal im aktuellen Fall dahingestellt) durchs Ziel geschoben werden. Wenn ich es nicht aus eigener Kraft, meinetwegen auf den letzten Kilometer von einem Kumpel oder Leidensgenossen begleitet oder sogar gestützt ins Ziel schaffe dann ist das so. Dann gestehe ich mir das ein. Wäre ich nach der Behandlung durch die Sanitäter in der Lage die letzten 300 Meter ins Ziel zu kriechen würde ich das tun, falls nein steht es mir auch nicht zu die Ziellinie zu überqueren. Es gibt für mich nur einen Weg ins Ziel, auf den eigenen Beinen oder im Kriechgang. Jedenfalls werde ich nicht durchs Ziel geschoben. Das will ich nicht.

In unserer Spaßgesellschaft scheint das aber nicht mehr der Anspruch zu sein und Marathon läuft man oftmals nur noch wegen dem Event, der Freßorgie davor und der Sauferei danach. Schade eigentlich.

Was meint ihr dazu, bin ich zu extrem? Zu verbissen?





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