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Grade lese ich bei FB einen BlogPost mit dem Titel Lächle beim Laufen„.

Und irgendwie geht mir der Artikel gehörig gegen den Strich. Das mag u.a. damit zusammenhängen dass im privaten Umfeld aktuell nur wenig so läuft wie ich es mir vorstelle oder damit dass ich am Ende meiner Kölnpfadvorbereitung so langsam merke wie anstrengend das letzte halbe Jahr für mich war.

Denke ich aber mal kurz darüber nach, so erkenne ich dass ich tatsächlich selten beim Training „Spaß habe“. Zumindest wenn man voraussetzt dass man den nur haben kann wenn man den ganzen Tag wie ein Honigkuchenpferd grinst.

Wenn ich abends meine Kilometer abspule um zu entspannen oder mich zu fordern, dann tue ich das für mich. Andere Menschen stören mich schon oft in meinem Alltag und ich könnte auf die meisten in meinem Umfeld echt gut verzichten. Beim Laufen will ich ganz bewusst alleine sein, sonst würde ich irgendeine Mannschaftssportart ausüben und nicht einsam durch die Wälder laufen.

Eine meiner wichtigsten Fähigkeiten beim Laufen (neben meiner Ausdauer, versteht sich) ist es, sowohl Strecke, Wetter und alle anderen unwichtigen Details einfach auszublenden. Ich nehme schlicht und ergreifend andere Läufer oftmals nicht wahr und wenn, dann interessieren sie mich nicht. Das kann ich sowohl bei den langsamen Läufen bei denen ich mich weder konzentrieren muss, als auch bei den schnellen Läufen die meine volle Konzentration fordern.

Laufen verbindet

Laufen verbindet heißt es. Das mag sein. Wir Läufer haben alle ein gemeinsames Hobby und doch üben wir es meistens für uns alleine aus. Ich bin zudem kein kompetitiver Mensch und muss mich nicht mit anderen messen, weder im Training noch im Wettkampf. Mein einziger Gegner bin zu jederzeit ausschließlich ich selber, demnach brauche ich auch keine Laufgruppe die mich motiviert oder anspornt.

Trotzdem mag ich Gruppenläufe, klingt jetzt vielleicht etwas zwiespältig. Solche Läufe mache ich aber meistens mit Menschen die ich mir bewusst ausgesucht habe, deren Gesellschaft ich aktiv suche. Dort habe ich dann meine Spaß, auch wenn es eine Art running gag bezüglich meiner Emotionalität gibt. Ich habe Spaß beim Laufen, muss ihn aber nicht jedem gleich aufdrängen. Das Beitragsbild ist aus eben diesem running gag beim Rhein Burgen Weg Lauf entstanden. Dort war ich mit Menschen unterwegs mit denen ich mich gerne auf über 100 km quäle. Mit Martin zusammen bin ich schon etliche Kilometer einfach nur schweigend (und ab und an schimpfend wie ein Rohrspatz) nebeneinander gelaufen und werde auch im Juli beim Kölnpfad mit ihm zusammen die 171 km angehen.

Mich stören freundliche, offensiv freund- und fröhliche Menschen aber eben auch nicht wenn ich sie auf der Straße treffe. Letztens habe ich auf meiner Laufrunde eine Familie auf Fahrrädern getroffen die ganz offensichtlich Spaß daran hatten dass Mutter und Sohn ein kleines Rennen fuhren. Diese Familie war augenscheinlich keine biodeutsche (um den Begriff aus den Medien mal aufzugreifen) Familie, sondern kam aus dem arabischen Raum. Bei dem Gedanken daran dass diese Familie unter Umständen nur durch Flucht aus ihrer Heimat die Möglichkeit hatte, relativ entspannt und angstfrei an der Mosel entlang zu fahren, hatte ich meinen Spaß. Oder besser Freude daran dass sich manche Menschen an so ganz kleinen Dingen wie einer Radtour erfreuen können. Und wisst ihr was? Ich habe dennoch nicht die restliche Kilometer gegrinst und auch weiterhin nicht jeden Läufer gegrüßt den ich getroffen habe. Warum? Weil sie mich schlicht und ergreifend nicht interessiert haben.

[bctt tweet=“In unserer Gesellschaft muss man förmlich immer fröhlich sein, grade in der Freizeit.“ username=“trailrunnersdog“]

Spaßgesellschaft schimpft sich das denke ich, dabei gibt es soviele Dinge über die man sich Gedanken machen kann und oftmals auch sollte. Unsere westliche Welt ist zwar im Vergleich zu anderen Gegenden noch gut dran und kämpft „nur“ mit relativ harmlosen Problemen aber ich empfinde es als Frechheit gegenüber anderen die täglich um ihr Leben kämpfen müssen sich um nichts Gedanken zu machen.

Jemand der den ganze Tag lächelnd durch die Welt geht und allem und jedem seine gute Laune aufdrängen will, der verkennt das Leid und Elend dass es in unserer Gesellschaft gibt. Es ist einfach nicht alles toll, da hilft auch stupides Lächeln nicht. Was das alles mit dem grimmigen Blick einiger Läufer auf sich hat? Natürlich nichts, denn jeder schaut aus anderen Gründen entweder grimmig oder eben einfach nur konzentriert.
Ich will nur sagen, es ist normal und gut dass nicht jeder immer gute Laune hat. Mancheiner konzentriert sich auch eben nur beim Training oder hat just in dem Moment einfach keinen Bock auf Gesellschaft. Wieder andere haben einfach keine Lust immer fröhlich zu sein oder es zu zeigen. Lasst uns (Miesepeter) einfach unseren Sport machen und gut.

Wenn wir Lust auf Kontaktaufnahme haben, dann kommen wir auf euch zu. Versprochen!





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