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Der aktuelle Fall der jungen Läuferin aus Endingen die bedauerlicherweise am 07.11.16 verschwand als sie ihrem, unser aller Hobby nachgehen wollte treibt die Panikmacher mal wieder aus ihren Löchern. Überall liest man davon wie sich Frau am Besten bewaffnen soll um sicher zu sein. Da ist die Rede von Reizgasen, Pfefferspray, Totschlägern und allerhand anderer Dinge.

Am 10.11.16 wurde dann auch leider ihre Leichte gefunden. Mein aufrichtiges Beileid gilt den Angehörigen.

Auf den ersten Blick mag man jetzt allen Frauen zurufen sie mögen doch bitte, bitte daheim bleiben und nicht mehr alleine nach draußen gehen wenn es dunkel ist. Aber mal ehrlich, kann das die Lösung sein? Ist das überhaupt nötig? Wie wahrscheinlich ist es überhaupt Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden? Ich habe mir dazu mal ein paar Zahlen angeschaut und möchte euch das nicht vorenthalten. Ich vergleiche dazu die Zahlen der letzten 2 Jahre.

Die nackten Zahlen

Laut aktueller polizeilichen Kriminalstatistik aus dem Jahre 2015 sehen die Zahlen folgendermaßen aus. In Klammern führe ich immer das Vorjahr, sprich 2014 auf.

Im Jahre 2015 gab es in der BRD insgesamt 181.386 (180.955) Fälle die der Gewaltkriminalität zugeordnet werden. Darunter fällt alles von der leichten Körperverletzung bis hin zum Mord und auch Sexualdelikte wie Vergewaltigung und sexuelle Nötigung. Ein sehr breite Palette also.

Gehen wir mal davon aus dass eine Frau die beim Laufen überfallen wird, zum Opfer wird weil der Täter entweder sexuell motiviert ist, oder aus Mordlust handelt, dann werden die folgenden Zahlen interessant.

Delikt20152014Veränderung gg. Vorjahr absolutVeränderung gg. Vorjahr prozentual
Mord und Totschlag2.1162.179-63-2,9
Vergewaltigung und sexuelle Nötigung7.0227.345-323-4,4

Die Zahlen sagen jetzt noch nichts über die Opfer aus, sprich ob sie männlich oder weiblich, oder wie alt sie sind aus.

Gehen wir mal ganz pessimistisch davon aus dass all diese Opfer weiblich waren. Ich weiß, das ist natürlich nicht korrekt so, den nicht alle der 9138 Fälle aus dem Jahre 2015 aus den für laufende Frauen als relevant angenommenen Deliktgruppen haben auch wirklich Frauen als Opfer. Sie wurden wohl auch nicht alle im Zusammenhang mit dem Laufsport ausgeübt. Das macht die Zahlen dann gleich nicht wirklich aussagekräftig weil sie definitiv zu hoch liegen werden, die zeigen aber auf wie gering die Wahrscheinlichkeit ist als Frau beim Laufen durch Gewalttäter zu Schaden zu kommen.

Angenommen die BRD hat aktuell 81 Mio Einwohner (2013 waren es offiziell 80,62 Mio), dann würde das bedeuten dann im Jahre 2015 ganze 0,011 Prozent der Bevölkerung entweder ermordet oder vergewaltigt wurden. Diese 0,011 Prozent müsste man jetzt noch nach dem Geschlecht aufgliedern, was mir anhand der Datenlage aber nicht so einfach möglich ist und mir auch nicht zielführend erscheint.

Ich fasse die Zahlen kurz zusammen:

Im Jahr 2015 wurden insgesamt

181.386 Pers. Opfer von Gewaltverbrechen = 0,22% der Bevölkerung

9138 Pers. Opfer eines Mordes / Sexualverbrechens = 0,011 % der Bevölkerung

Insgesamt sind die Zahlen rückgängig, es wird also nicht „immer schlimmer“ da draußen. Das Problem dürften wie oft die uneingeschränkte Möglichkeit sich zu informieren sein. Die Medien schnappen jede Meldung auch und machen sie groß. Früher, also vor dem Internet hättet wir schlicht und ergreifend von den meisten Fällen überhaupt nichts gehört. Über die meisten Fällen wären maximal im Regionalfernsehen berichtet worden.

Wenn wir jetzt die Zahlen noch großzügig verdoppeln weil in der PKS logischerweise nicht die Dunkelziffer berücksichtigt wird, dann ist die Wahrscheinlichkeit noch immer verschwindend gering. Dass jeder Todesfall oder jede Vergewaltigung eine zu viel ist, sollte klar sein.

Und jetzt?

Mir ist bewusst, dass Angst etwas zu tiefst unlogisches ist und dass sich Angst nicht durch Zahlen beseitigen lässt. Mir ist auch klar dass es unter uns Männer genügend Arschlöcher gibt die sich einen Spaß daraus machen euch Angst einzujagen. Viele meiner Artgenossen finden es auch lustig und sexy wenn sie Frauen doofe Sprüche hinterher rufen oder grabschen. Dieses Verhalten ist ganz klar ein absolutes No-Go und man liest oft genug davon.

Dass man gerade in de betroffenen Regionen jetzt vorsichtig sein sollte, ist selbstverständlich. Ebenso dass man Orte meiden sollte an denen es ein erhöhtes Gefahrenpotential gibt, das gilt allerdings genauso für uns Männer. Die Zahlen weiter oben unterscheiden nicht zwischen den Geschlechtern.

Ich habe mich in den letzten Tagen ausführlich mit Freunden und Läufern unterhalten, gefragt ob man speziell als Frau jetzt Angst haben müsse bei Dunkelheit laufen zu gehen. Wir erinnern uns kurz, Carolin G. verschwand am helllichten Tag und mit eben nicht auf einer abendlichen Runde.

Der Tenor war dass ein allgemeines unguten Gefühl vorherrscht, auch bei den männlichen Diskussionsteilnehmern. Auch für uns Männer ist es nicht weniger unangenehm an einer pöbelnden Gruppe Halbstarker in unseren engen Lauftights vorbei zu laufen.

Ich weiß dass man mit nackten Zahlen keinem die Angst wird nehmen können, Angst ist eben etwas zu tiefst irrationales. Gerade wenn die Gefahr nicht unmittelbar sondern eher diffus ist. Was hilft gegen diese Angst? Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht, auch ich habe Momente in denen es mir sehr unangenehm ist abends oder nachts zu laufen. Ich würde auch nur ungern abends durch einen Park laufen in dem sich seltsame Personen aufhalten. Wem es unangenehm ist alleine zu laufen, der kann sich entweder einer Laufgruppe anschließen oder mit Bekannten laufen gehen. In Koblenz gibt es zum Beispiel den Lauftreff Koblenz, dieser organisiert sich über eine Facebookgruppe und man liest dort regelmäßig Anfragen ob jemand Lust hat zu laufen. In vielen Vereinen gibt es eine Laufsportabteilung, die ebenfalls Trainings anbieten. Mann oder Frau muss also nicht alleine laufen gehen.

 

Wie handhabt ihr das? Habt ihr Angst oder ein ungutes Gefühl wenn ihr des Nächstens eure Runden dreht? Schreibt mir doch einen Kommentar hier im Blog!

 

 

Quelle: PKS 2015

 





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