Wann ist man eigentlich ein Sportler?



Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten, 48 Sekunden



Und ist das überhaupt wichtig?

Was haben eine Laufanfängerin (oder Laufanfänger) nach ihrem ersten Winter und Usain Bolt gemeinsam?

Auf den ersten Blick im Grunde eher so gar nix und doch vereint beide eine Sportart, unsere Sportart. Das Laufen.

Ich weiß noch wie ich damals, irgendwann vor gut 6 Jahren mit dem Laufen angefangen habe. Damals sollte einer meiner Brüder zur Bundeswehr eingezogen werden und musste sich deshalb auf dem sportlichen Eignungstest vorbereiten. Der Ärmste hatte absolut null Bock auf den Verein und der Pechvogel gehörte auch noch zum letzten Jahrgang der eingezogen wurde bevor die Wehrpflicht ausgesetzt wurde. Ich als ehemaliger Zeitsoldat könnte mich deswegen noch immer kaputt lachen. Was? Ich darf das, ich bin der große Bruder!

Egal, weiter im Text. Jedenfalls fingen wir beide an zu laufen, mag sein dass ich schon ein paar Wochen davor angefangen hatte. So genau weiß ich das nicht mehr, spielt aber auch keine große Rolle. Jedenfalls waren wir beide alles andere als fit und schnell. Wenn ich unsere ersten Runden so rekonstruiere dürften es so um die 6 km gewesen sein, wir sind die allerdings mit Nichten durch gelaufen. Die Zeit dürfte damals auch nicht „vorzeigbar“ gewesen sein. Was heute eine Aufwärmrunde für mich wäre, war damals das absolute Maximum für uns beide.

Ok, viel Geschwurbel bis hier. Warum die lange Einleitung? Ganz einfach, hätte ich damals Facebook schon so genutzt wie ich es heute tue, hätte ich mit Sicherheit voller Stolz meinen Lauf über 6 km in >45 Minuten in einer (oder allen) der unzähligen Facebookgruppen gepostet um mir dafür Bestätigung abzuholen.

Der Alltag in Facebookgruppen

So geschieht das jeden Tag gefühlte drölf Zillionen Mal und das ist auch gut so! Jeder dieser „langsamen und unfitten“ Läufer hat mit seinen 6 km (oder gerne auch weniger) für die er eine halbe Ewigkeit gebraucht hat etwas geleistet. So wie mein Bruder und ich damals. Diese Läufer, denen wir alle irgendwann mal mehr oder weniger geähnelt haben kommen verschwitzt und abgekämpft nach hause und sind stolz auf ihre Leistung. Stolz dass sie nach einer langen Verletzung, nach 20 Jahren Kettenrauchen, nach 3 Geburten, nach einer Ernährungsumstellung bei der sie endlich so viel Gewicht verloren haben dass sie es wagen können zu laufen, etwas Gutes für ihren Körper getan haben.

Und was macht Mensch wenn er auf (s)eine Leistung total stolz ist? Richtig! Er erhofft sich viel Zuspruch, Lob und Anerkennung und postet fleißig bei Facebook, spamt damit die TL seiner (unsportlichen) Freunde und Verwandten voll. Er wird immer mehr zum Ärgernis, zum Sportverrückten, zum Fitnessnazi und geht den Leuten damit mächtig auf den Keks.

Zum Glück gibt es da eine Lösung! Sportlerprofile bei Facebook! Auch ich habe so eine Seite, meine Facebook Blogpage ist im Grunde nix anderes. Sie hilft mir meinen Arbeitskollegen, Verwandten und (unsportlichen) Freunden nicht ganz so sehr auf den Sack zu gehen. Dafür darf ich dann anderen Leuten auf den Sack gehen, die sind aber selbst schuld weil sie meine Seite geliked haben. Toll oder? Scheint die Antwort auf alle Fragen zu sein, neben der 42 versteht sich.

Jetzt gibt es aber doch tatsächlich so Kleingeister die sich darüber aufregen, dass Rudi Rennschnecke sich erdreistet solch eine Funktion zu nutzen um seinem Umfeld nicht ständig ein schlechtes Gewissen zu verpassen. Rudi sei überhaupt kein Sportler, Rudi wolle nur Aufmerksamkeit und schade dem Ansehen von ambitionierten Läufern. Als wenn es einen Arne Gabius kümmern würde ob sich Rudi für einen Sportler hält oder nicht. Und überhaupt läuft Rudi nicht schnell genug um Sportler zu sein und weit genug auch nicht. Was mache ich denn dann? Ich laufe auch nicht schnell, aber dafür weit!? Schwer kompliziert das Ganze mit dem Sportlersein finde ich. Wenn Rudi jetzt auch noch seinen „langen“ Lauf am Sonntag über 12 km in 1:30 h in der Gruppe „Laufsüchtlinge“ postet und da doch allen Ernstes Lob und Huldigung erwartet, dann ticken diese Kleingeister komplett aus. Der Grund hierfür ist ganz einfach; Penisneid oder so. Neid weil keine Sau mehr ihre tollen Läufe beachtet und dabei sind sie die 12 km doch mal eben in ihrer 30 minütigen Mittagspause gelaufen. Diese Kleingeister sind einfach zu schnell (zu geil??) für diese Welt, meinen sie jedenfalls.

So und jetzt ratet mal wessen Problem das eigentlich ist? Kleiner Tipp, nicht das von Rudi.

In diesem Sinne ihr Rennschnecken da draußen; postet eure Läufe was das Zeug hält. Motiviert euch gegenseitig und kümmert euch nicht um die paar Idioten die meinen ihr wärt es nicht wert beachtet zu werden. Ob ihr euch „Sportler“ nennen „dürft“, liegt einzig und alleine daran ob ihr Sport treibt. Egal wie oft oder wie gut.
Ich verrate euch mal ein Geheimnis, die meisten Superhelden haben mal ähnlich angefangen wie ihr und ich. Und die, die sich jetzt über euch aufregen sind mit Sicherheit nur gefrustet weil sie eben doch nicht die Größten in ihre Peergroup sind. Wären sie es, würden sie sich für euch freuen.

 

Only the weak are cruel. Gentleness can only be expected from the strong. Leo Buscaglia

 

Wie reagiert euer Umfeld darauf wenn ihr eure Läufe oder Radfahren postet? Positiv oder negativ? Postet ihr eure Leistungen überhaupt außerhalb von Facebooklaufgruppen?

 

Die Frage werde ich heute wohl dann doch noch nicht beantworten schätze ich 🙂

 

 





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Sascha

Vater, Läufer, Hundebesitzer. Ich laufe gerne weit und lange, am liebsten abseits der Straße oder breiter Wege. Ab und an teste ich Produkte, laufe Wettkämpfe oder sonstige Events und schreibe meine Eindrücke nieder. An Bestzeiten bin ich nicht interessiert.

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17 Kommentare auf "Wann ist man eigentlich ein Sportler?"

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zimruns
Gast

Schöner Beitrag. Also wenn ich bei Veranstaltungen oder auf Trailausflügen bin, dann bekommt das meine Facebook Timeline voll ab. Ist ja auch so schön einfach man postet etwas auf Instagram und das schiebt es überall hin. Hab aber von Freunden noch nichts Negatives gehört, im Gegenteil die Leute, die ich regelmäßig treffe, sind immer total beeindruckt, wenn ich mal wieder einen Berg hoch gerannt bin. Die Beiträge teile ich dann in manche Laufgruppen (Bilder in Lunas kommen in die Luna Gruppe und Bilder im „Laufen gegen Leiden“ Shirt kommen in die LgL-Gruppe).
freundliche Grüße,
Patrick (zimruns)

Michael Schmidt (Skisportler [FB und Twitter])
Gast
Hallo Sascha, wieder mal ein guter Beitrag. Ich ziehe vor jeden meinen Hut der überhaupt Sport macht. So konntest du vielleicht verfolgen das ich seit 4 Wochen einmal die Woche mit meiner Frau laufe. Im Moment brauchen wir zusammen für 5,5km ~45 Minuten. Allein schaffe ich das in 20-30 Minuten, je nachdem was mein Plan sagt. Und trotzdem ich bin sehr froh das sie jetzt überhaupt was macht. Die Zeit ist schon 2 Minuten besser geworden als vor 4 Wochen. Ist für mich schwer so zu laufen aber ich mache es gern. Und was ist Zeit? Zeit oder Pace ist… Read more »
Klaus Neufend
Gast

Lese immer gerne mit!!!! Und bin sehr oft (eigentlich fast immer) deiner Meinung.Danke für deine Mühe und freue mich auf ein Wiedersehn in 2017! Ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch!!

cinnamongirlblogs
Gast

Ich habe mir auch ewig nicht getraut meine Laufergebnisse zu posten, weil ich mich ein bisschen geschämt habe, wollte mich auch lange nicht „Läufer“ nennen. Mittlerweile hat sich das zum Glück auch geändert und ich finde es auch nicht mehr so schlimm, wenn ich mal nen Lauf auslasse weil es regnet. Es geht halt nach meinen Regeln 🙂

Sebastian (@buzze)
Gast

Das Tolle an Facebook ist ja: Es kostet mich ungefähr 0,1 Sekunden um über uninteressante Inhalte wegzuscrollen. Deswegen würde ich mir auch nie einen „Sportleraccount“ anlegen. Das Laufen ist Teil meiner Persönlichkeit. Wenn ich Bock habe, jeden Kilometer auf Facebook zu dokumentieren, dann mache ich das. Wenn ich einen Monat lang alles fotografieren möchte, was ich esse, dann mache ich das auch. Ist doch mein Profil und niemand muss sich den Scheiß angucken. 🙂 Die Facebook-Laufgruppen sind aber trotzdem furchtbar.

bodhi74
Gast
Mojnsen, sehr schöner Artikel von dir. Ich bin vor ein paar Wochen aus allen Facebook-Gruppen (außer Alaska und Husky-Gruppe) ausgetreten. Man konnte es teilweise nicht mehr ertragen was da so abging. Teilweise komplett Intolerant einige Menschen. Anstatt sich für einen Anfänger zu freuen und diesen ein wenig anzufeuern, gab es teilweise Spott und Hohn für seine Leistung. Ekelhaft das ganze. Muss ich mir nicht mehr geben. Ich habe 2009 mal einen Anfänger beim Köln Marathon bis ins Ziel begleitet, nach 05:27:xx Std. waren wir im Ziel. Einige Kommentare am Straßenrand waren schon ziemlich grenzwertig für meinen Geschmack. Dir und Deiner… Read more »
Lennetaler / TDecius
Gast

Wer eine Sportart ausübt, ob er sich jetzt quält oder nur im „Wohlfühl-Spaßbereich“ läuft, wer wie auch immer Sport treibt, der ist ein Sportler. Wer daran mäkelt, dem fehlts an Sportsgeist.
Einzig könnte man darüber streiten, was für Beschäftigungen denn Sport sind, einiges was die Sportsender zeigen, gehört imho nicht wirklich dazu. Das ist allerdings auch nur meine kleine, eigene subjektive Meinung, die ich nur leise anmerken will, ohne zu lästern oder zu urteilen und die keinen großen Geist stören sollte…

trackback

[…] toller Bericht zum Thema solcher Kleingeister auf Trailrunnersdog der mich zu meinem Text inspiriert und mir einige Fragen beantwortet […]

rollinger
Gast
Es gibt nicht nur die supergeilen Läufer die zu den kleinen Läufer runterschauen und sie als Nichtsportler beschimpfen. Es gibt auch die gar nicht Sportler, die es nicht wahrhaben wollen, dass es wirklich jemand schafft alle drei Tage auch bei Regen und 3 Grad rumzurennen. Und wenn es nur 3 Kilometer sind, sind das mehr als er selbst getan hat. Die 3 km sind ja nicht mal so schlimm, es ist ja das „bis man los ist“. Noch täglich radeln zur Arbeit, einmal die Woche einen Mannschaftssport und schon hat man auch Neider, die Dich wegen Deines Sports nicht als… Read more »