Projekt „Laufen“ – Business Sprech in der Off Time

Veröffentlicht von Sascha am



Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten, 29 Sekunden



Ein Projekt ist ein zielgerichtetes, einmaliges Vorhaben, das aus einem Satz von abgestimmten, gesteuerten Tätigkeiten mit Anfangs- und Endtermin besteht und durchgeführt wird, um unter Berücksichtigung von Vorgaben bezüglich Zeit, Ressourcen (zum Beispiel Finanzierung bzw. Kosten, Produktions- und Arbeitsbedingungen, Personal und Betriebsmittel) und Qualität ein Ziel zu erreichen.

Quelle: Wikipedia

 

Als ITler ist mir die Definition mehr als geläufig, in der Firma in der ich arbeite, einem mittelständigen IT Dienstleister, arbeiten wir ständig an sogenannten Projekten für Kunden. Auch wenn es für uns dann ja quasi laut Definition meist kein Projekt sondern eher Routine darstellt, schwirrt der Begriff ständig durch die Gegend. Projekte hier, Projekte da. Im beruflichen Umfeld habe ich mich an den schon fast inflationären Begriff schon gewöhnt, im privaten Umfeld will mir das allerdings nicht so recht gelingen.

Ein bekannter Baumarkt hat den Slogan „mach es zu deinem Projekt!“, in jeder zweiten Ausgabe einer x-beliebigen Zeitschrift werden Vorhaben als Projekte dargestellt. Jeder wird zu seinem eigenen Projektmanager und die Familie zu Projektteam, die Gartenhütte zum „Projekt“.

Schaut man im Sportmagazine, egal ob online oder print und im Speziellen bei Laufmagazinen so liest man auch hier vom „Projekt Halbmarathon“ oder dem „Langdistanzprojekt“. Lange Zeit war ich einfach nur angenervt von dem Begriff und den Headlines der Artikel, bis ich mir mal ein paar Gedanken darüber gemacht habe, mir klar wurde, dass ich bei meinem Hobby dem Laufen eben grade nicht von einem Projekt sprechen kann und vor allem nicht will.

Ich trainiere aktuell (mehr schlecht als recht) für den KoBoLt, einen 140 km langen Geländelauf auf dem Rheinsteig. Für viele mit Sicherheit eine Distanz die sie nicht greifen können, verständlicherweise. Auch für mich lange Zeit extrem wage, etwas das so weit weg schien, dass es mir noch nicht einmal Angst machte, wenn ich darüber las.

Jetzt könnte ich diese Vorbereitung ebenfalls groß als „Projekt KoBoLt“ anpreisen und hervorheben, was ich aber eben nicht tue. Warum? Ist mein Vorhaben Ende November 140 km durch die (vielleicht) kalte Winternacht zu laufen etwa nicht zielgerichtet, einmalig mit einem klar definierten Anfangs- und Endpunkt? Hat meine Vorbereitung darauf nicht ebenso einen „Projektcharakter“? Klares Ziel, definierte (Trainings-)Abschnitte, Meilensteine, Arbeitspakete und ein fixes Enddatum?

Das mag alles auf den ersten Blick stimmen und für andere Läufer auch zu 100% zutreffen.

Mein „Problem“ mit dieser Art „Projekt“ oder einem „Projekt Marathon“ ist schlicht und ergreifend die Einmaligkeit. Ich will keinen Marathon nur einmal bestreiten, ich will nicht nach einem Finish beim KoBoLt die Distanz auf einer Liste abhaken und zum nächsten „Projekt“ schreiten. Ein Marathon oder Ultralauf ist für mich kein isoliertes Ziel in meinem Leben. Ich laufe nicht um der Distanz willen, nicht für ein Finishershirt oder eine Medaille. Zugegeben, so ein Belt Buckle wie man sie bei den 100 Milern in den USA oder eben beim Kölnpfad bekommt, wäre schon ein Goodie für das ich mich besonders anstrengen würde, aber darum laufe ich nicht. Ich laufe aus vielerlei Gründen, irgendwann (m)ein Ziel zu erreichen ist keiner davon. Ich bin der Meinung, dass es beim Laufen keine wirklichen Ziele gibt wenn man mal davon absieht seine eigenen Grenzen zu erweitern und vielleicht auch irgendwann mal zu erreichen.

Wie dem auch sei, man muss nicht immer alles definieren. Man muss nicht allem einen Namen geben. Man kann auch einfach tun was einem Spaß macht, wenn es einem Spaß macht und so lange es einem Spaß macht. Man muss all das nicht steuern und managen. Um zu laufen muss man nur eines, nämlich laufen.

Also geht raus und lauft und hört auf an Projekten zu arbeiten!





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Kategorien: Gedanken

Sascha

Vater, Läufer, Hundebesitzer. Ich laufe gerne weit und lange, am liebsten abseits der Straße oder breiter Wege. Ab und an teste ich Produkte, laufe Wettkämpfe oder sonstige Events und schreibe meine Eindrücke nieder. An Bestzeiten bin ich nicht interessiert.

5 Kommentare

runomatic · 9. Oktober 2017 um 7:36

140 km? Im Winter? Du bist doch irre! :D

Was das Thema Projekt anbelangt – Laufen ist für mich kein Projekt. Geht eher in die Richtung Forschung. Was kann ich meinem Körper zumuten? Wie reagiert er auf die üblichen Zipperlein? Anfangs war ich noch auf Bestzeiten aus. Das konnte man noch eher als Projekt einordnen.

Grüße, Martin

    Sascha · 9. Oktober 2017 um 8:24

    Moin Martin,

    ich werde zumindest mal in Richtung Bonn loslaufen, wie weit ich komme sehen wir ja dann :)

    Da ich nie so wirklich und verbissen hinter Bestzeiten her war, kann ich da echt nicht mitreden. Mein einziges Ziel war es meinen ersten Halbmarathon unter 2 Stunden zu laufen (und niemals nicht einen Marathon zu laufen weil mir das lange war) und zu dem habe ich mich erst angemeldet als die sub2 auch im Training gefallen war.
    Mittlerweile ist meine Lauferei neben der Entspannung auch eher Forschung wie du es beschreibst. Grenzen aufzeigen, annähern und wenn es gut läuft eben verschieben.

    Gruß
    Sascha

Running Rob · 9. Oktober 2017 um 9:56

Ich denke, es kommt darauf an, wie eng man den begriff „Projekt“ fasst. Ich mein, du als ITler wirst ja sicher auch immer wieder mehr oder weniger gleichartige Projekte machen – nur halt für unterschiedliche Kunden. Unter anderen Voraussetzungen, mit leicht anderen Zielen. Es sind aber dennoch „Projekte“.
So wie es Martin formuliert, würde ich das voll und ganz unterschreiben – so eine Bestzeit-Sache ist schon deutlich näher an der allgemeinen „Projekt“-Definition dran. Für mich ist aber auch z.B. der Rennsteig nächstes Jahr erst mal ein Projekt. Was nicht ausschließt, dass ich da ein zweites (oder drittes, oder fortan jedes Jahr) mitlaufe. Nur dann ist eben aufgrund der Erfahrungen und der verschobenen eigenen Grenzen die Vorbereitung eine andere. (Ist sie ja sowieso, weil wer weiß schon, was dazwischen kommt).
Ich würde den „Projekt“-Begriff bei uns Hobby-Läufern nicht allzu sehr auf diese Einmaligkeit festnageln. Für einige mag es sicher mit Absicht „einmalig“ sein, andere halten sich das als Option fest um sich im Vorfeld sagen zu können „Wenn es mir keinen Spaß macht, dann mache ich es eben nicht noch einmal.“
Aber im Grunde ist jede Vorbereitung auf einen bestimmten und der Gipfel des Projekts „Lauf“ immer einmalig – auch für uns. Du weißt ja wie das ist: Du kannst 100 mal die gleiche Strecke laufen und trotzdem ist jeder Lauf anders. Von daher … :-)

    Sascha · 16. Oktober 2017 um 9:48

    Ich mag einfach den Begriff nicht, ich mag es nicht, dass „wir“ immer mehr das „Wording“ aus dem Beruf in die Freizeit bringen. :)

Do it yourself Abenteuer | Endurange · 1. November 2017 um 17:27

[…] der Trailrunnersdog nicht in seinen Trailschuhen umdrehen muss. Wollte ich doch erst von „Projekten“ schreiben. Aber, ähnlich wie bei dem berühmten Baumarkt, geht es mir nicht um das Projekt […]

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