Bevor ich mich auf den Moselcross von Trier nach Koblenz gewagt habe, stand eine Generalprobe an: ein Bikepacking Overnighter. Eine Nacht draußen, das komplette Schlafsetup im Echtbetrieb, ohne Plan B. Hier kommt meine Packliste für genau so eine Übernachtungstour. Und gleich vorweg: Das Setup hat sich bewährt, auf dem Overnighter genauso wie später auf der Mosel. Ich kann alles davon weiterhin empfehlen.
Erst testen, dann losfahren. Keine Experimente!
Wie beim Laufen gilt auch auf dem Rad: Neue Ausrüstung muss getestet werden, bevor man sich auf einer mehrtägigen Tour darauf verlassen kann. Genau dafür ist ein Overnighter perfekt. Eine Nacht, überschaubares Risiko, und wenn etwas nicht funktioniert, ist man am nächsten Morgen trotzdem wieder zu Hause. Für mich war damals nicht nur die Ausrüstung Neuland, sondern auch die bloße Tatsache, „irgendwo“ draußen zu schlafen. Das letzte Mal, als ich in der „Wildnis“ übernachtet hatte, trug ich noch Uniform und war auf einer 36 Stunden Übung. Da lag ich allerdings nicht alleine im Wald, sondern hatte einen ganzen Zug Rekruten und Unteroffiziere neben mir. Beim Overnighter war ich allein und ja, ein wenig Bedenken hatte ich schon. Ich mag zwar den Wald und auch die Nacht, aber in Kombination waren beide nicht immer mein Freund.
Falls ihr also mit dem Gedanken spielt, ins Bikepacking einzusteigen: Macht es genauso. Erst eine Nacht in der Nähe, dann die große Tour. Mein Bikepacking Skill war zu dem Zeitpunkt übrigens rein theoretischer Natur, angefüttert durch viele Stunden auf Youtube. Die Praxis hat dann aber bestätigt, was die Theorie versprochen hatte.
Packliste Bikepacking Overnighter
Die Verteilung auf drei Taschen hat sich für mich als goldrichtig erwiesen. Vorne das Voluminöse und Leichte, im Rahmen das Schwere und Kleinteilige, hinten der Rest. So bleibt das Rad fahrbar und man weiß immer, wo was steckt. Die Taschen stammen alle von Vaude, die Verarbeitung und Wasserdichtigkeit haben sich auf beiden Touren bewährt.
Frontrolle – Vaude Trailfront
- Schlafsack – Vaude Sioux 400 Syn
- Wechselklamotten für die Nacht
- Isomatte
Rahmentasche – Vaude Trailframe
- Dosenfutter für den Abend
- Heringe
- Werkzeug und Ersatzteile
- Stirnlampe, Powerbank und Kabel
- Hygienepack
Satteltasche – Vaude Trailsaddle
- Gaskocher, Göffel
- DD Hammock Tarp 3×3 Meter
- Biwaksack

Tarp oder Zelt?
Beim Thema „Behausung“ hatte ich anfangs doppelt gepackt und lange geschwankt. Für den Overnighter fiel die Wahl dann auf Tarp plus Moskitonetz, weil ich unbedingt ausprobieren wollte, wie sich das Tarp in Verbindung mit dem Rad aufbauen lässt. Antwort: erstaunlich gut, das Rad ersetzt eine komplette Stange. Ein Tarp bietet außerdem eine direktere Verbindung zur Natur und ist einfach mehr „outdoor“ als hinter einer Zeltwand zu schlafen. Das Moskitonetz dazu ist allerdings Pflicht, sonst wird die direkte Verbindung zur Natur schnell direkter als einem lieb ist.
Rückblickend würde ich heute eher zum Zelt greifen. Es ist geschlossener, privater, und man schläft ruhiger wenn man weiß, dass keine Mücke, kein Igel und kein neugieriger Waldbewohner einfach so reinspazieren kann. Der Nachteil liegt auf der Hand: mehr Gewicht, mehr Packvolumen. Wer das Setup möglichst leicht und kompakt halten will, ist mit Tarp plus Biwaksack gut bedient. Wer lieber etwas mehr Abstand zur Außenwelt hat, nimmt das Zelt. Beides funktioniert, es kommt darauf an, wie man schlafen will.


Das Rad fährt sich anders. Plant das ein!
Was mir schon bei den ersten Testfahrten um den Block aufgefallen ist: Das Bike verhält sich mit Gepäck deutlich anders. Und das trotz relativ wenig Zusatzgewicht von ca. 5 bis 6 kg, ohne Wasser versteht sich. Die Lenkung wird träger, das Heck schiebt in Kurven mit. Nichts Dramatisches, aber genau deshalb lohnt es sich, vorher ein paar Runden voll bepackt zu drehen und nicht erst auf Kilometer eins der eigentlichen Tour festzustellen, dass sich alles fremd anfühlt.
Der Overnighter hat das Setup bestätigt und mir die Sicherheit gegeben, die ich für die längere Tour gebraucht habe. Wie sich das Ganze dann über vier Tage an der Mosel geschlagen hat, lest ihr in meinem Bericht zum Moselcross mit dem Bikepacking Rad.

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