Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten, 48 Sekunden



Beobachtet man die Bloggerszene, fällt auf wie viele Bloggerkollegen zu Werbevieh zu verkommen scheinen. 
Produkttests bedeutet für uns Blogger nicht selten kostenloses Testmaterial das wir danach behalten dürfen. Für mich als Läufer eine wirklich gute Sache. 

Eine zweite Sache ist der dadurch enstehende Traffic auf den Blog. Jeder (gut) geschriebene Testbericht der so halbwegs SEO kompatibel geschrieben und aufgebaut ist, führt zu Treffern in den Suchergebnissen. 
Für Blogger die gerne eine gewisse Reichweite erzielen wollen, können solche Produkttests also recht “wertvoll” sein.

Im Jahr 2016 habe ich ziemlich viele verschiedene Laufschuhe und anderes Material getestet. Mein geheimer Plan war, ein Jahr lang keine Schuhe kaufen zu müssen und was soll ich sagen? Es hat funktioniert. Die Agenturen und Hersteller waren extrem kooperativ. Es gab echt nur sehr wenige die nicht bereit waren, mir Testmaterial zur Verfügung zu stellen. Kein Wunder, denn für wenige Euro bekommt man im Idealfall gute Werbung und Streuung. Bei einer kleinen aber eben fein abgestimmten Zielgruppe. 

Ich beobachte schon seit langem einige Blogs und Portale (auch themenfremde) und achte darauf wie die Gewichtung dort zwischen Werbung, sprich Produkttests und eigentlichem Inhalt ist. Bei einigen Kollegen ist das mittlerweile echt erschreckend. Ich werde keine Namen nennen, zumindest nicht wenn es ins Negative geht.
Ich selbst versuche auch immer auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Erlebnisbericht und Produkttest zu achten. 

Leider scheint das nicht jeder Blogger so zu sehen. 

Die Kategorien der Produkttester

Ich denke man kann die verschiedenen Arten der Produkttester folgendermaßen unterteilen.

Hobbyblogger / Privatkäufer

Über die Privatkäufer will ich keine großen Worte verlieren. Hier gehe ich davon aus dass die Meinungen und Tests authentisch sind. Dort liest man dann auch regelmäßig negative Ergebnisse und die Flut an Testmaterial hält sich in Grenzen, aus verständlichen Gründen.

Produkttestportale

Die großen Produkttestportale sind auch eine andere Baustelle. Dort ist recht schnell klar dass sie eben genau darauf ihr Hauptaugenmerk legen. Das sieht man an der Professionalität, dem Umfang der Tests und der Tatsache dass man dort immer den neuesten Stoff findet. Brauchen wir so etwas? Ich denke ja, denn grade bei neuem Material kommt man ja recht schwer an Info aus erster Hand. Herstellerpromo zählt hier ja nicht.

Markenbotschafter

Ich selbst bin Markenbotschafter in der Orange Mud Dirt Unit. Wer hier regelmäßig liest oder mir in den sozialen Medien folgt, der wird das wissen. Mit diesem Status gehe ich in meinen Augen sehr offen um und erwähne es recht regelmäßig. Ein Grund ist, dass ich gerne transparent bin in dieser Sache. Der andere Grund ist, weil ich stolz bin damals der erste Markenbotschafter für Orange Mud in Deutschland gewesen zu sein. 

Markenbotschafter sind Menschen, die die größten Fans dieser Marke sind. Zumindest geht es mir mit Orange Mud so. Das heißt aber in der Regel eben nicht, dass ein Markenbotschafter keine Kritik an den Produkten üben darf. Das ich als Markenbotschafter die Produkte hier im Blog nicht in der Luft zerreise wenn ich Mängel gefunden habe, sollte klar sein. Selbstverständlich erwartet Josh, der CEO Loyalität von seinen Markenbotschaftern. Finde ich kleinere Mängel, dann erwähne ich sie auch in den Tests. Der meiste Teil meiner Kritik an den Produkten, geht allerdings tatsächlich seinen Weg hinter den Kulissen. Dennoch stehe ich zu den Produkte und empfehlen diese auch nur, wenn ich der Meinung bin dass sie passen.
Selbstverständlich kann es auch unter Markenbotschaftern schwarze Schafe geben. Wer im einen Jahr bei Marke A anheuert, sie in die Himmel lobt und dann im Jahr drauf beim Mitbewerb das selbe Spiel abzieht, der kann es nicht ernst meinen.

Dieses Verhalten wirft man oft den sogenannten Influencern vor.

Influencer

Eigentlich sind die Influencer ja keine eigene Gruppe, denn Einfluß können sowohl reguläre Blogger, Markenbotschafter als auch Bloggerhuren haben. 

Oftmals werden Bloggerhuren aber auch mit Influencern gleichgesetzt. In meinen Augen nicht ganz fair. An einem Influencer ist erstmal nichts verkehrt, er nutzt lediglich seine Reichweite um seinem Werbepartner Gehör in der Zielgruppe zu finden. Strenggenommen macht das jeder Blogger oder Instagramer ebenfalls so.
Unglaubwürdig wird die Geschichte erst, wenn auf Teufel komm raus Produkte platziert werden. Das ist leider oft der Fall. 

Bloggerhuren

Was mich immer mehr stört sind die Bloggerhuren. Oh…böses Wort. Ob das so gut ist wenn man gegen Kollegen schießt? Keine Ahnung, echt. Wer den Blog schon etwas länger liest, wird auch erahnen wie egal mir das ist.

Wir Blogger machen das was wir so tun, meist oder zumindest anfänglich aus purem Spaß an der Freude. Wir berichten von unseren Trainings, unseren Wettkämpfen und oft besonderen Touren. Das ist das was “uns” ausmacht, das ist das was ich an “euch” mag. Wenn wir dann etwas Reichweite aufgebaut haben und beginnen potentiell interessant für Firmen und Agenturen zu werden, werden wir oft das erste Mal auf die Probe gestellt. Wollen wir “Geld” mit dem Blog verdienen oder bleibt es weiterhin ein Hobby? Wollen wir uns an Hersteller und Produkte binden oder weiter frei Schnauze schreiben?  Finden wir einen Mittelweg oder verkaufen wir uns?

Ich für mich, denke dass ich den Mittelweg in 2016 so halbwegs gefunden habe. Falls ihr das anders seht, dann raus mit der Sprache. Mir war es wichtig nicht nur Produkttests raus zuhauen, sondern auch die “üblichen” Geschichten und Themen zu behandeln. Es gab aber auch Phasen da war mir die ganze Testerei zu viel. Da artete das Ganze in Stress aus und ich geriet in Verzug.

Mein Anspruch war es immer die Schuhe nicht schon nach einer Woche als bewertet online zu stellen. Ich wollte mindestens 50, besser 100 km damit gelaufen zu sein. Ich behaupte mal, dass das nicht klappen kann wenn man 2-3 Paar Schuhe in kurzer Zeit abfrühstückt. Die wenigsten laufen tatsächlich so viel in der Woche. Da passt schon rein rechnerisch etwas nicht, ich zumindest habe das alleine nie hinbekommen. Qualitätseinheiten bzw. Einheiten die während meiner Kölnpfadvorbereitung sitzen mussten, bin ich nicht mit Testmaterial gelaufen. Da war mich das Risiko zu hoch abbrechen zu müssen, weil der Schuh dann doch nicht so gut gepasst hat wie erwartet.

Sind wir billiges Werbevieh?

Jetzt sehe ich aber immer wieder Laufblogs, deren einziger Zweck es zu sein scheint jedes Modell der verschiedenen Hersteller zu testen. Wirkliche Laufgeschichten findet man dort dann entweder überhaupt nicht mehr, oder nur noch ganz selten. Mir stößt das auf und zwar ganz deutlich und genau aus diesem Grund, bin ich davon weg. Es geht mir hier nicht darum dass “wir” Blogger überhaupt keine Produkte testen sollen / dürfen, aber das Verhältnis sollte dann doch bitte stimmen.

Wir sind kein billiges Werbevieh, zumindest ich will das nicht sein. Wenn ich dann lese wie Blogger in anderen Sparten ihren Blog als Gewerbe anmelden und als Tätigkeit dann “Bereitstellung von Werbeflächen” angeben, dann wird mir schlecht. Wofür? Für einen Lippenstift oder ein Schminkset? Dann lese ich Blogbeiträge ala “wie wird man ein guter Blogger?” und was steht da als Kriterium? Hochwertige Kooperationsanfragen von Agenturen und Firmen. WTF? Nein, das war kein Sportblog, es war wohl einer aus meiner Lieblingskategorie “Lifestyle und Mode”. Aber was soll das bitte?

Sind wir Blogger nur noch Werbevieh? 

Bei aller Aufregung und allem Ärger, bin ich dann doch froh dass ich “nur” Sportblogger bin, in anderen Sparten scheint es deutlich schlimmer zu sein.

Partnerschaften? Der bessere Weg für Produkttests?

Ich bin mittlerweile wie oben geschrieben davon weg, alles zu testen was mir unter die Finger kommt. Mein Weg, den ich in Sachen Produkttest jetzt schon eine Weile gehe, ist der der Partnerschaften. Doch was heißt das genau? Wo ist der Unterschied zwischen einem auf den ersten Blick objektiven Blogger der “alles” testen und keine Präferenzen zu haben scheint und einem mit “Partnerschaften”?

Wenn du dich durch die neueren Produkttests klickst, werden dir immer wieder die selben Namen bzw. Marken auffallen. Es sind in der Regel Marken die ich nicht ganz ohne Stolz “Partner” nenne. Es handelt sich hierbei um Marken, deren Produkte für mich auch schon vor den Kooperationen meine “erste Wahl” bei Neuanschaffungen waren. Marken von denen ich mir oftmals gedacht habe, “toll wenn die mich morgen anrufen würden und mich sponsoren würden!”

Ich bekomme aber auch deswegen gelegentlich Leserkommentare, die überspitzt gesagt der Meinung sind, ich würde mich eben diesen präferierten Marken anbiedern und sei somit nicht besser als andere Blogger. Ich kann diese Kommentare in gewisser Weise auch verstehen, denn selbstverständlich verliere ich kaum ein schlechtes Wort über diese Marken. Das tue ich aber nicht weil ich mit diesem Marken “zusammenarbeite” und somit keine Kritik äußern darf. Es ist viele mehr so, dass ich mit diesen Marken zusammenarbeite weil mir die Produkte gefallen. Natürlich sehe ich mit Sicherheit auch über den einen oder anderen Mangel hinweg, eben weil ich diese Marke so mag. Davon kann ich mich auch nicht zu 100% freisprechen.

Ist eine Partnerschaft zwischen Blogger und Marke also besser oder schlechter als andere Modelle?

In meinen Augen kommt es darauf an, wie diese Partnerschaft zustande gekommen ist. Auch in einer Partnerschaft kann man sich als Blogger “verkaufen”, das steht außer Frage. Ob das der Fall ist, ist nicht immer leicht zu durchschauen. Ich persönlich achte immer darauf, ob man den Blogger auch außerhalb der regulären Testberichte und Werbeposts in eben genau diesen Produkten sieht. Trainiert er in Marke A und wirbt dann stolz für Marke B, dann stimmt da etwas nicht. Dann verliert er in meine Augen seine Glaubwürdigkeit.

Ich für mich hoffe, dass man mich von außen nicht so sieht.

Wie stehst du zu dem Thema? Egal ob selber Blogger oder “nur” Leser, verrate mir doch deine Meinung!

Weiterführende Links

Einen interessanten Artikel zum Thema “Instagram Influenzer” und gekaufte Follower / Likes habe ich vor kurzem bei https://st-bergweh.de/2017/06/16/instagram-by-fair-means/ gefunden.

Kauf du Sau – oder: haben wir Blogger uns selbst verkauft?https://katrinhilger.com/2019/03/27/kauf-du-sau-oder-haben-wir-blogger-uns-selbst-verkauft/





Gefällt dir was du gelesen hast?
Dann würde ich mich freuen wenn du den Beitrag fleißig in den sozialen Medien teilst und so auch anderen die Chance gibst meine Beiträge zu lesen. Ich finde jeder hat seine regelmäßige Portion Trailrunnersdog.de verdient, oder?

Falls du mich und meine Arbeit unterstützen willst, dann kannst du das via Steady oder via Paypal tun. Reihe dich ein in die Liste der Supporter!