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Ja ja, kaum testet der Kerl jetzt seit knapp einem viertel Jahr keine Produkte mehr im Auftrag irgendeiner Agentur, schon fängt er an große Reden zu schwingen.

Ich weiß, wer im Glashaus sitzt und so weiter und sofort. Im Jahr 2016 habe ich quasi alles an Laufmaterial getestet dass ich in die Hände bekommen habe, zugegeben. Mein geheimer Plan war, ein Jahr lang keine Schuhe kaufen zu müssen und was soll ich sagen? Es hat funktioniert. Ok Anfang Dezember hatte ich mir ein Paar Schuhe selbst gekauft, Bedrock Sandals um genau zu sein. Da stand für mich aber schon fest die gesponsorte Testerei aufzugeben. Die Agenturen und Hersteller waren extrem kooperativ und es gab echt nur sehr wenige die nicht bereit waren, mir Testmaterial zur Verfügung zu stellen. Kein Wunder, denn für wenige Euro (ja auch teure Schuhe haben einen geringen EK in Asien) bekommt man im Idealfall gute Werbung und Streuung bei einer kleinen aber eben fein abgestimmten Zielgruppe.

Ich beobachte schon seit langem einige Blogs und Portale (auch themenfremde) und achte darauf wie die Gewichtung dort zwischen Werbung, sprich Produkttests und eigentlichem Inhalt ist. Bei einigen Kollegen ist das mittlerweile echt erschreckend. Ich werde keine Namen nennen, zumindest nicht wenn es ins Negative geht.

Die drei Kategorien der Produkttester

Ich unterscheide hierbei aber gerne in drei Kategorien, der Privatkäufer, die reinen Produkttestportale und die Blogger die sich regelmäßig kaufen lassen. So wie ich es 2016 auch getan habe. Naja zumindest ein wenig, wenn ein Schuh nicht so berauschend war, dann steht das auch in meinem Testbericht. Ganz frei in der Leber weg, kann man aber halt doch nur sehr schlecht schreiben, wenn man das Testmaterial “geschenkt” bekommt.

Privatkäufer

Über die Privatkäufer will ich keine großen Worte verlieren, denn hier gehe ich davon aus dass die Meinungen und Tests authentisch sind. Dort liest man dann auch regelmäßig negative Ergebnisse und die Flut an Testmaterial hält sich in Grenzen, aus verständlichen Gründen.

Produkttestportale

Die großen Produkttestportale sind auch eine andere Baustelle, dort ist recht schnell klar dass sie eben genau darauf ihr Hauptaugenmerk legen. Das sieht man an der Professionalität, dem Umfang der Tests und der Tatsache dass man dort immer den neuesten Stoff findet. Brauchen wir so etwas? Ich denke ja, denn grade bei neuem Material kommt man ja recht schwer an Info aus erster Hand. Herstellerpromo zählt hier ja nicht.

Bloggerhuren

Was mich immer mehr stört und was auch mit ein Grund war, warum es keine großen Produkttests bei mir mehr geben wird, sind die Bloggerhuren. Oh…böses Wort. Ob das so gut ist wenn man gegen Kollegen schießt? Keine Ahnung, echt. Wer den Blog schon etwas länger liest, wird auch erahnen wie egal mir das ist.

Wir Lauf(oder Hobbysport)Blogger machen das was wir so tun, meist oder zumindest anfänglich aus purem Spaß an der Freude, berichten von unseren Trainings, unseren Wettkämpfen und oft besonderen Touren. Das ist das was “uns” ausmacht, das ist das was ich an “euch” mag. Wenn wir dann etwas Reichweite aufgebaut haben und beginnen potentiell interessant für Firmen und Agenturen zu werden, werden wir oft das erste Mal auf die Probe gestellt. Wollen wir “Geld” mit dem Blog verdienen oder bleibt es weiterhin ein Hobby? Wollen wir uns an Hersteller und Produkte binden oder weiter frei Schnauze schreiben?  Finden wir einen Mittelweg oder verkaufen wir uns?

Ich für mich, denke (und hoffe ihr seht das ähnlich, falls nein dann raus mit der Sprache) dass ich den Mittelweg in 2016 so halbwegs gefunden habe. Mir war es wichtig nicht nur Produkttests raus zuhauen, sondern auch die “üblichen” Geschichten und Themen zu behandeln. Es gab aber auch Phasen da war mir die ganze Testerei zu viel, da artete das in Streß aus und ich geriet in Verzug. Mein Anspruch war es immer die Schuhe nicht schon nach einer Woche als bewertet online zu stellen, sondern mal mindestens 50, besser 100 km damit gelaufen zu sein. Ich behaupte mal, dass das nicht klappen kann wenn man 2-3 Paar Schuhe in kurzer Zeit abfrühstückt denn die wenigsten laufen tatsächlich so viel in der Woche. Da passt schon rein rechnerisch etwas nicht, ich zumindest habe das alleine nie hinbekommen. Qualitätseinheiten bzw. Einheiten die während meiner Kölnpfadvorbereitung sitzen mussten, bin ich nicht mit Testmaterial gelaufen. Da war mich das Risiko zu hoch abbrechen zu müssen, weil der Schuh dann doch nicht so gut gepasst hat wie erwartet.

Sind wir billiges Werbevieh?

Jetzt sehe ich aber immer wieder Laufblogs, deren einziger Zweck es zu sein scheint jedes Modell der verschiedenen Hersteller zu testen. Wirkliche Laufgeschichten findet man dort dann entweder überhaupt nicht mehr, oder nur noch ganz selten. Mir stößt das auf und zwar ganz deutlich und genau aus diesem Grund, bin ich davon weg. Es geht mir hier nicht darum dass “wir” Blogger überhaupt keine Produkte testen sollen / dürfen, aber das Verhältnis sollte dann doch bitte stimmen. Wir sind kein billiges Werbevieh, zumindest ich will das nicht sein. Wenn ich dann lese wie Blogger in anderen Sparten ihren Blog als Gewerbe anmelden und als Tätigkeit dann “Bereitstellung von Werbeflächen” angeben, dann wird mir schlecht. Wofür? Für einen Lippenstift oder ein Schminkset? Dann lese ich Blogbeiträge ala “wie wird man ein guter Blogger?” und was steht da als Kriterium? Hochwertige Kooperationsanfragen von Agenturen und Firmen. WTF? Nein, das war kein Sportblog, es war wohl einer aus meiner Lieblingskategorie “Lifestyle und Mode”. Aber was soll das bitte? Sind wir Blogger nur noch Werbevieh? Bei aller Aufregung und allem Ärger, bin ich dann doch froh dass ich “nur” Sportblogger bin, in anderen Sparten scheint es deutlich schlimmer zu sein.

Partnerschaften? Der bessere Weg für Produkttests?

Ich bin mittlerweile wie oben geschrieben davon weg, alles zu testen was mir unter die Finger kommt. Mein Weg, den ich in Sachen Produkttest jetzt schon eine Weile gehe, ist der der Partnerschaften. Doch was heißt das genau? Wo ist der Unterschied zwischen einem auf den ersten Blick objektiven Blogger der “alles” testen und keine Präferenzen zu haben scheint und einem mit “Partnerschaften”?

Wenn du dich durch die neueren Produkttests klickst, werden dir immer wieder die selben Namen bzw. Marken auffallen. Es sind in der Regel Marken die ich nicht ganz ohne Stolz “Partner” nenne. Es handelt sich hierbei um Marken, deren Produkte für mich auch schon vor den Kooperationen meine “erste Wahl” bei Neuanschaffungen waren. Marken von denen ich mir oftmals gedacht habe, “toll wenn die mich morgen anrufen würden und mich sponsoren würden!”

Ich bekomme aber auch deswegen gelegentlich Leserkommentare, die überspitzt gesagt der Meinung sind, ich würde mich eben diesen präferierten Marken anbiedern und sei somit nicht besser als andere Blogger. Ich kann diese Kommentare in gewisser Weise auch verstehen, denn selbstverständlich verliere ich kaum ein schlechtes Wort über diese Marken. Das tue ich aber nicht weil ich mit diesem Marken “zusammenarbeite” und somit keine Kritik äußern darf. Es ist viele mehr so, dass ich mit diesen Marken zusammenarbeite weil mir die Produkte gefallen. Natürlich sehe ich mit Sicherheit auch über den einen oder anderen Mangel hinweg, eben weil ich diese Marke so mag. Davon kann ich mich auch nicht zu 100% freisprechen.

Ist eine Partnerschaft zwischen Blogger und Marke also besser oder schlechter als andere Modelle? In meinen Augen kommt es darauf an, wie diese Partnerschaft zustande gekommen ist. Auch in einer Partnerschaft kann man sich als Blogger “verkaufen”, das steht außer Frage. Ob das der Fall ist, ist nicht immer leicht zu durchschauen. Ich persönlich achte immer darauf, ob man den Blogger auch außerhalb der regulären Testberichte und Werbeposts in eben genau diesen Produkten sieht. Trainiert er in Marke A und wirbt dann stolz für Marke B, dann stimmt da etwas nicht. Dann verliert er in meine Augen seine Glaubwürdigkeit.

Ich für mich hoffe, dass man mich von außen nicht so sieht.

Wie stehst du zu dem Thema? Egal ob selber Blogger oder “nur” Leser, verrate mir doch deine Meinung!





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