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Wer läuft so spät durch Nacht und Wald?

Wir Trailrunner sind im Wald zuhause. Zumindest wir, die in den Mittelgebirgen unterwegs sind und somit nicht in den Genuss kommen über die Baumgrenze hinaus zu laufen. Trailrunning ist dem Waldlauf nicht unähnlich, wir laufen im Wald und suchen dort schmale und steile Pfade. Dort toben wir uns aus, dort verbringen wir den ganzen Tag.

Ich bin berufstätig und habe eine 40 Stunden Woche, ab und an Überstunden und Termine am Abend. Meine Freizeit spielt sich im Winter unter der Woche oft im Dunklen ab.

Läufer Bei Nacht

Ich komme nach der Arbeit heim, ziehe mich um und die Stirnlampe auf den Kopf. Jeden Abend stelle ich mir die Frage; wo gehe ich laufen? Gehe ich in den Wald wie ich es am liebsten tue oder laufe ich durch den Ort oder maximal in Ortsrandlage durch die Felder? Bei den allermeisten Läufen am Abend, bleibe ich bewusst aus dem Wald draußen. Egal ob mit Bonni oder ohne.

Wir sind nur Gäste im Wald!

Wir Trailrunner sind Gäste im Wald. Gäste die tagsüber durch das Wild toleriert werden, die Waldbewohner gehen uns aus dem Weg. Sie ziehen sich dorthin zurück wo die Trampelpfade von uns Menschen weniger werden, dorthin wo sie zu Wildpfaden werden. Ab und an folge ich solchen schmalen Pfaden und gelange tiefer in den Wald. Der Wald ist das Rückzugsgebiet für unser heimisches Wild und keine Spielwiese für Läufer. Tagsüber sind nicht nur wir Läufer im Wald, ich treffe dort Radfahrer, Spaziergänger, Wanderer und Menschen mit Hund. Der Wald ist nicht nur ein Ort für Trailrunning, er ist tagsüber ein Naherholungsgebiet und in manchen Abschnitten schon überlaufen. Hast du wie ich, mehrere Wanderwege direkt vor der Haustür, dann hast du dort auch (zumindest bei gutem Wetter) Touristen in den Wäldern.

Diesen Stress möchte ich den Tieren dort nach Sonnenuntergang ersparen und bleibe aus dem Wald. Wer meinen Podcast regelmäßig hört, der kennt einen weiteren Grund warum ich nicht gerne bei Dunkelheit in den Wald gehe. Ich versuche den Kontakt mit Wild(schweinen) tunlichst zu vermeiden. Mit einem Hund an der Leine, der einen ausgeprägten Jagdtrieb hat, bleibt nachts nicht viel Entspannung. Jedes Geräusch wird nervös von Bonni quittiert und der Zug an der Leine nimmt zu.

Warum ich doch ab und an im Wald laufe.

Dennoch “muss” ich ab und an nachts in den Wald, gerade die langen Ultraläufe führen mich auch nach oder vor Sonnenuntergang in den Wald. Das muss trainiert werden, ohne Frage. Interessant ist, dass ich mir im “Wettkampfmodus” darüber keine Gedanken mache, ich laufe und genieße die Stunden im Wald. Es ist eine tolle Erfahrung, wenn ich abends in die Nacht laufe und förmlich spüre wie die Besetzung im Wald wechselt. Wie die Vögel schlafen gehen und die Nachttiere erwachen. Die Geräuschkulisse ändert sich und im Schein der Stirnlampe tauchen unzählige Augenpaare zwischen den Bäumen auf. Kurz vor Sonnenaufgang, da ändert sich die Geräuschkulisse erneut. Das Vogelgezwitscher nimmt zu und die Augenpaare verschwinden. Beide Phasen haben ihren eigenen Reiz und sind mit ein Grund warum ich gerne so lange unterwegs bin. Ich darf einen kompletten Tagesrhythmus in der Natur erleben.

Rheinburgenweglauf 2016

Die Sonne geht unter auf dem Rheinburgenweg.

Mein Verhältnis zum Thema “Nachts im Wald” ist zwiespältig. Ich liebe die langen Läufe in der Nacht, möchte aber die Natur und die Tiere darin nicht stören.

Mich interessiert eure Meinung dazu, seid ihr auch Nachts im Wald oder meidet ihr ihn nach Sonnenuntergang? 

Beitragsfoto:

Teddy Kelley





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