Laufen bei Nacht im Wald

Veröffentlicht von Sascha am



Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten, 29 Sekunden



Wer läuft so spät durch Nacht und Wald?

Wir Trailrunner sind im Wald zuhause. Zumindest wir, die in den Mittelgebirgen unterwegs sind und somit nicht in den Genuss kommen über die Baumgrenze hinaus zu laufen. Trailrunning ist dem Waldlauf nicht unähnlich, wir laufen im Wald und suchen dort schmale und steile Pfade. Dort toben wir uns aus, dort verbringen wir den ganzen Tag.

Ich bin berufstätig und habe eine 40 Stunden Woche, ab und an Überstunden und Termine am Abend. Meine Freizeit spielt sich im Winter unter der Woche oft im Dunklen ab.

Läufer Bei Nacht

Ich komme nach der Arbeit heim, ziehe mich um und die Stirnlampe auf den Kopf. Jeden Abend stelle ich mir die Frage; wo gehe ich laufen? Gehe ich in den Wald wie ich es am liebsten tue oder laufe ich durch den Ort oder maximal in Ortsrandlage durch die Felder? Bei den allermeisten Läufen am Abend, bleibe ich bewusst aus dem Wald draußen. Egal ob mit Bonni oder ohne.

Wir sind nur Gäste im Wald!

Wir Trailrunner sind Gäste im Wald. Gäste die tagsüber durch das Wild toleriert werden, die Waldbewohner gehen uns aus dem Weg. Sie ziehen sich dorthin zurück wo die Trampelpfade von uns Menschen weniger werden, dorthin wo sie zu Wildpfaden werden. Ab und an folge ich solchen schmalen Pfaden und gelange tiefer in den Wald. Der Wald ist das Rückzugsgebiet für unser heimisches Wild und keine Spielwiese für Läufer. Tagsüber sind nicht nur wir Läufer im Wald, ich treffe dort Radfahrer, Spaziergänger, Wanderer und Menschen mit Hund. Der Wald ist nicht nur ein Ort für Trailrunning, er ist tagsüber ein Naherholungsgebiet und in manchen Abschnitten schon überlaufen. Hast du wie ich, mehrere Wanderwege direkt vor der Haustür, dann hast du dort auch (zumindest bei gutem Wetter) Touristen in den Wäldern.

Diesen Stress möchte ich den Tieren dort nach Sonnenuntergang ersparen und bleibe aus dem Wald. Wer meinen Podcast regelmäßig hört, der kennt einen weiteren Grund warum ich nicht gerne bei Dunkelheit in den Wald gehe. Ich versuche den Kontakt mit Wild(schweinen) tunlichst zu vermeiden. Mit einem Hund an der Leine, der einen ausgeprägten Jagdtrieb hat, bleibt nachts nicht viel Entspannung. Jedes Geräusch wird nervös von Bonni quittiert und der Zug an der Leine nimmt zu.

Warum ich doch ab und an im Wald laufe.

Dennoch „muss“ ich ab und an nachts in den Wald, gerade die langen Ultraläufe führen mich auch nach oder vor Sonnenuntergang in den Wald. Das muss trainiert werden, ohne Frage. Interessant ist, dass ich mir im „Wettkampfmodus“ darüber keine Gedanken mache, ich laufe und genieße die Stunden im Wald. Es ist eine tolle Erfahrung, wenn ich abends in die Nacht laufe und förmlich spüre wie die Besetzung im Wald wechselt. Wie die Vögel schlafen gehen und die Nachttiere erwachen. Die Geräuschkulisse ändert sich und im Schein der Stirnlampe tauchen unzählige Augenpaare zwischen den Bäumen auf. Kurz vor Sonnenaufgang, da ändert sich die Geräuschkulisse erneut. Das Vogelgezwitscher nimmt zu und die Augenpaare verschwinden. Beide Phasen haben ihren eigenen Reiz und sind mit ein Grund warum ich gerne so lange unterwegs bin. Ich darf einen kompletten Tagesrhythmus in der Natur erleben.

Rheinburgenweglauf 2016

Die Sonne geht unter auf dem Rheinburgenweg.

Mein Verhältnis zum Thema „Nachts im Wald“ ist zwiespältig. Ich liebe die langen Läufe in der Nacht, möchte aber die Natur und die Tiere darin nicht stören.

Mich interessiert eure Meinung dazu, seid ihr auch Nachts im Wald oder meidet ihr ihn nach Sonnenuntergang? 

Beitragsfoto:

Teddy Kelley





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Kategorien: Gedanken

Sascha

Sascha

Vater, Läufer, Hundebesitzer. Ich laufe gerne weit und lange, am liebsten abseits der Straße oder breiter Wege. Ab und an teste ich Produkte, laufe Wettkämpfe oder sonstige Events und schreibe meine Eindrücke nieder. An Bestzeiten bin ich nicht interessiert.

22 Kommentare

Jürgen · 21. Dezember 2017 um 1:13

Vater Wald fängt quasi hinter unserem Haus an, und ich liebe diesen Wald. Nur Nachts bin ich dort nie anzutreffen. Gar nicht so wegen Wildschweine, laufe nur ungern mit Licht auf dem Kopp.

Bevorzuge Nachts lieber die schlafende Stadt.

    Sascha

    Sascha · 21. Dezember 2017 um 7:10

    Hallo Jürgen,
    das ist allerdings auch ein Argument. Ich habe mich mittlerweile recht gut an Stirnlampen gewöhnt. Ich laufe aber dann doch lieber am Tag, stimmt.

    Gruß
    Sascha

runomatic · 21. Dezember 2017 um 9:22

Ich war im Oktober beim Trailrunning Workshop in den frühen Abendstunden im Bergpark Kassel. War toll, keine Frage. Aber allein im Wald, gerade nach der Wildschwein-/Jagd-Aktion von neulich? Nein Danke. Ist mir zu gefährlich. Zudem hast du recht. Das muss nicht sein.

    Bonni

    Bonni · 21. Dezember 2017 um 9:34

    Davon habe ich gelesen, da wäre mir auch anders geworden. Bei Wettkämpfen oder Gruppenläufen ist mir auch deutlich wohler im Wald als wenn ich alleine unterwegs bin.

runomatic · 21. Dezember 2017 um 9:25

By the way – das Beitragsbild ist übelst geil!

    Bonni

    Bonni · 21. Dezember 2017 um 9:32

    Danke, finde ich auch. Ist nur leider nicht von mir :)

gerd · 21. Dezember 2017 um 9:45

Laufe fast immer über Tag . Mit der Einschränkung ab 6.00 uhr ist Tag und ab und zu ein nicht Run muss sein . Macht keinen Sinn aber Spaß vg gerd

hunstrailer · 21. Dezember 2017 um 9:52

Her Sascha, da bin ich voll bei Dir.Alleine ganz selten und im Wettkampfmodus geht es mir wie Dir.Da decken sich unsere Erfahrungen bis auf das Vogelgezwitscher,dafür bin ich dann einfach zu tief im Tunnel. lg

    Sascha

    Sascha · 21. Dezember 2017 um 9:56

    Hey Torsten,

    ist mir klar, dass du bei deinem Tempo tiefer im Tunnel bist als ich :)

    Gruß
    Sascha

Tom · 21. Dezember 2017 um 11:33

Ich drehe gerne nächtliche Crosserrunden auf den breiten Forstwegen. Durch die starke Beleuchtung bin ich schon früh zu sehen und die Tiere gehen zur Seite.

Bis auf wenige Hektar gibt es in Deutschland keinen natürlichen Wald, sondern nur Forstkultur. Die darin lebenden Tiere sind das, was aus der Monokultur entstanden ist. Diese Tiere können ganz gut mit den Läufern und Radlern leben, die auf ständig frequentierten Wegen unterwegs sind. Sie haben sich angepasst. Je früher sie dich hören, desto besser. Panik bekommen sie eher, wenn sie deinen Hund wittern. Und Probleme haben eher die Jäger, weil sie durch uns ab und an ihren geplanten Abschuss nicht bekommen.

    Sascha

    Sascha · 21. Dezember 2017 um 14:36

    Hallo Tom,

    danke für deinen Kommentar und willkommen unter den Kommentatoren.

    Ich glaube, dass auch wenn die Tiere sich mittlerweile gut an den Trubel gewöhnt haben, es sie dennoch stresst wenn wir nachts durch die Wälder fegen. Meinst du nicht?

    Gruß
    Sascha

schnellebeine · 21. Dezember 2017 um 12:30

Hallo Sascha,

wie die meisten Läufer bin auch ich momentan im Dunkel unterwegs. Obwohl ich den Wald direkt vor der Tür habe und ihn wie eine Westentasche kenne, meide ich ihn. Ehrlich gesagt, habe ich etwas Schiss doch mal den Stock, den Stein oder das Loch zu übersehen, auch, wenn meine Lampe gut Licht gibt.
Ich wohne in einer Gegend die man als größeres Dorf oder Kleinstadt bezeichnen kann. Unvermeidlich ist hier das Laufen ohne Straßenbeleuchtung, wenn man nicht immer die gleiche Strecke kreiseln möchte. Und das liebe ich. Von der Dunkelheit verschluckt, ohne auf den Weg achten zu müssen, nur der Schein der Lampe, der Atem, die Schritte und ich – meditativ.

Danke noch für die Erinnerung und schönen Eindrücke zum Leben der Waldbewohner. Sollten man sich oft in Gedanken rufen.

Grüße, Eric.

    Sascha

    Sascha · 21. Dezember 2017 um 14:39

    Hi Eric,
    ich mag es auch irgendwie im Dunklen zu laufen. Die Welt konzentriert sich dabei nur noch auf den Spot der Lampe, alles andere verschwindet dahinter. Meditativ ist denke ich der richtige Ausdruck.

    Gruß
    Sascha

Mario

Mario · 21. Dezember 2017 um 12:34

Denke man sollte es auf jeden Fall wenn möglich nicht übertreiben, mit dem nachts mit Flutlicht durch den Wald rennen… Wobei ich da einige Mountainbiker kenne, die mit viel stärkerer Lichttechnik durch den Wald pflügen…als irgend ein Läufer, am liebsten bin ich nachts, dann aber Gassi gehent, ohne Lampe im Wald unterwegs, allerdings auf bekannten Pfaden.

    Sascha

    Sascha · 21. Dezember 2017 um 14:41

    Hi Mario,

    mit Flutlicht auf dem Kopf oder dem Lenker, sehen die Tiere dich wenigstens früh genug…wobei…eigentlich hören sie dich ja eh schon deutlich früher. Ist es dann nicht eigentlich egal ob und wie viel Licht du auf dem Kopf trägst?

    GRuß
    Sascha

Mario

Mario · 21. Dezember 2017 um 15:55

Stimmt, wird man eher gesehen bzw sieht selbst mehr. Trotzdem ist für mein Gefühl, mehr Licht „störender“, da geht auch der Zauber etwas verloren…

brennr · 21. Dezember 2017 um 17:32

Ich wollte es schon immer einmal machen. Ich möchte wissen, wie es ist, so alleine im stockdunklen Wald. Aber wahrscheinlich mache ich mir eh nach einem Kilometer in die Hose und drehe um.

Skisportler · 21. Dezember 2017 um 19:42

Hallo Sascha, ich laufe in der dunklen Jahreszeit am liebsten Straße und Feldwege, wobei wir auch da bestimmte Tiere stören. Ab und zu geht aber auch mal ein Lauf im Wald. Und auch diese Erfahrung muss man machen. Ich finde es schön und auch in Vorbereitung auf Wettkämpfe ein absolutes muss. Aber natürlich nicht ständig und das lässt sich im ländlichen Raum auch nicht ganz vermeiden.

jamieobier · 22. Dezember 2017 um 8:44

..du bist dann also einer von diesen Kandidaten, die mich total erschrecken, wenn sie plötzlich vor oder hinter mir ohne Licht auftauchen :D Ich habe immer Pfefferspray dabei, aber noch nie benutzen müssen. Nicht wegen der Tiere, sondern eher wegen der Menschen. Ein weiterer Grund, weshalb ich lieber abends auf den Trails bin, anstatt im Feld. Im Feld oder auf Waldautobahnen habe ich mehr Schiss und schon mehr grenzwertige Begegnungen gemacht. Zudem habe ich nicht das Gefühl, dass ich die Tiere stören würde. Ich laufe mit maximal 200 Lumen. Ab und zu sehe ich ein paar Augen, die mich aus ein paar Metern Entfernung anstarren, aber sich noch nicht mal die Mühe machen, wegzurennen. Tagsüber treffe ich sogar meist mehr auf Rehe, als nachts! Auch Wildschweine rennen meiner Erfahrung nach, weg oder man riecht sie nur. Ich bin allerdings auch noch nie auf eine Bache mit Frischlingen gestoßen…

Kann mich ansonsten den anderen hier nur anschließen: es ist meditativ. Man muss sich aber auch darauf einlassen, sonst bekommt man Schiss (geht mir zumindest so). Ich habe jeden Winter erneut das Problem, mich an Läufe bei Wind, Regen, starkem Nebel und Schnee gewöhnen zu müssen. Aber auch an diese unfassbare Stille, die aber eigentlich ganz großartig ist. Ich hatte gestern so einen Lauf, der eigentlich hätte total spooky sein müssen. Sichtweite noch nicht mal ein halber Meter, das Licht ist sozusagen einfach an der Dunkelheit abgeprallt, leichter Schneeregen, unfassbarer Nebel und quasi jeder Trail war ein Sumpf. Dann auch noch verlaufen.. Die meiste Zeit habe ich es aber genossen :)

LG,
Jamie

    Sascha

    Sascha · 26. Dezember 2017 um 13:04

    Hallo Jamie,
    der Lauf klingt in der Tat nach Spaß auf dem Trail!

    Gruß
    Sascha

jamieobier · 22. Dezember 2017 um 8:46

(Das ging auch an Mario! Leider kann man nicht direkt einen Kommentar kommentieren…)

Reyfakt - Blog des Lebens · 6. Januar 2018 um 12:53

Bei mir laufe ich Abends eher ungern, da wir so viele Wildschweine hier haben und denen möchte ich nicht gerne begegnen, aber die Atmosphäre am frühen Morgen, wenn die Vögel singen laufen zu gehen, finde ich einfach nur klasse! Das macht auch richtig Spaß !

Viele liebe Grüße
Reyfakt vom Blog des Lebens
https://reyfakt-blog.jimdo.com/

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