Gastautoren Laufberichte Mario Trail Running

Mario und der Großglockner Ultra-Trail 2018 – Teil 2

Großglockner Ultra-Trail

Start des Großglockner Ultra-Trail 75 bis VP1

In aller Früh, 5 Uhr am Morgen und in aller Frische geht es los. Die ersten Meter kenne ich ja schon bevor die Strecke abbiegt und von da geht es erst mal nach oben, 2000 Höhenmeter im Anstieg auf 25 Kilometer müssen ja irgendwo herkommen. Wir sind die ersten die den Streckenabschnitt offiziell einweihen. Teilweise steil und Gämsen freundlich aber nicht allzu technisch. Ich bleibe erst mal stehen, lasse einige vorbei und versuche ein paar Bilder einzufangen. Langsam wird es hell. Irgendwann erreichen wir unseren Höchsten Punkt, die Stüdlhütte mit 2801 Meter, zum Sonnenaufgang, ein Traum! Alle Anstrengung wert, hier treffe ich meine Frühstücksgenossen wieder.

Wir sind nicht die einzigen die so früh unterwegs sind, auch einige Bergwanderer sind schon zum Sonnenaufgang hier bzw. auf dem Weg nach oben. Jetzt müssen sie den verrückten Läufern ausweichen, die wieder einen tollen Weg nach unten rasen dürfen. Noch sind wir, die Läufer der 75 Kilometer allein auf unserer Strecke unterwegs, was sich aber an der Luckner Hütte ändern wird. Am ersten Verpflegungspunkt nach ca. 15 Kilometer treffen wir auf die Strecke der großen Jungs und Mädels und dürfen dann mit den 110 Kilometer Fightern in Kals einlaufen. Aber bis es so weit ist, vergehen noch ein paar Minuten. Bei mir 25:10 der schnellste auf dem Segment im Moment liegt bei 11:53, 2,7 Kilometer und 537 Höhenmeter nach unten in Zwölf Minuten Wahnsinn. Dort angekommen geht es erst mal an die Labe, Cola Käsebrot Schokolade, Iso ins Fläschle und weiter geht’s.

Großglockner Ultra-Trail

VP1 – VP2  Lucknerhütte bis Kals

Nach der Stärkung geht es weiter nach unten, bevor es ihr ahnt es schon auch schon wieder rauf geht. Auch wird es langsam warm und Zeit die Ärmel hoch zu krempeln. Wir kraxeln an einem grünen Hang nach oben und die Sonne platzt…dann geht es ein Stück auf einem Kamm entlang Idylle pur. An einem Gipfelkreuz vorbei und dann geht sie los die Downhill Polonaise…OK… ein paar überholt und ein paar ziehen lassen … Jedenfalls ein toller Trail, mitunter steil und permanent spitzkehrig. Ob die 110er das überhabt noch genießen können? Kurze Zeit später passieren wir einen Bauernhof/Ort und ich wähne mich schon in Kals.

Weitgefehlt es geht erst noch trailig am Waldrand entlang bevor wir dann auch ziemlich plötzlich wieder in Kals einlaufen. Jetzt will doch tatsächlich noch jemand meinen Rucksack kontrollieren, wovon in mein flehender Gesichtsausdruck aber abhält. Ich muss jetzt dringend Speicher füllen!!! Hier lasse ich mir Zeit, futtere, trinke Cola und auch Iso was ich eigentlich nicht mag aber irgendwie soll es ja auch helfen also rein damit. Umziehen und gegen die Sonne schützen. Ach ja meine Rechnung passte im Moment noch, in knapp 4,5 Stunden habe ich die ersten 25 Kilometer bewältigt. Allerdings warten jetzt noch 50 Kilometer auf mich die ich zwar kenne, die aber im letzten Jahr schon hart waren…na mal sehen.

Mario beim Großglockner Ultra-Trail
Wahnsinnsausblick

VP2 – VP3 Kals bis Kalser Tauernhaus

Also auf geht es, wieder aus Kals rauslaufen. Die Beine fühlen sich im Moment nicht mehr so leicht an wie heute Morgen, ist aber auch nicht verwunderlich. Haben immerhin schon 2000 Höhenmeter gefressen. Für das erste Segment heute früh stehen 2:49 gegen 4:24 am späten Morgen. Daran kann man schon mal sehen wie der Berghase heute weiter hoppelt…An den nächsten Abschnitt kann ich mich noch gut aus 2017 erinnern. Einerseits wegen der großartigen Landschaft, das Dorfer Tal ein Highlight auf der Strecke. Und andererseits, weil ich im letzten Jahr nach ca. 10 Kilometer die beiden führenden der 110 Kilometer Strecke einholen durfte. Wobei das nur bis zum ersten Felssturz so blieb, wo die beiden Bergziegen den Allradturbo gezündet haben.

Das heißt also die Strecke ist laufbar und hier kann ich noch ein paar km gut machen bevor es zu steil und technisch wird. Aber es ist warm, die Sonne platzt und die Beine sind nicht mehr allzu frisch. Ich versuche mich zu motivieren und anzutreiben. Es gelingt mir halbwegs, immer wieder mache ich Geh- Pausen um dann wieder ein Stück zu laufen. Deutlich langsamer als vergangenes Jahr aber glücklich komme ich am Kalser Tauernhaus an. Und hier wartet ein unerwartetes Schmankerl auf uns, es gibt Alkoholfreies Weißbier vom Fass für die Läufer und dazu zünftige Blasmusik. Da lasse ich mich nicht lange bitten und genieße zwei halbe Hopfenkaltschalen. großartig, das Organisationsteam arbeitet stetig an neuen Überraschungen. Ich lasse mir Zeit und verputze noch einen Riegel, denn der nächste Abschnitt hat es in sich.

VP3 – VP4 Kalser Tauerhaus bis Rudolfshütte / Weißsee

Erfrischt geht es auf den nächsten Abschnitt. Noch ein Stück im Laufschritt, bis zum besagten Felssturz, wo auch idyllisch ein Bergbach sprudelt. So langsam kommen auch die Erinnerungen an die schwierigen Passagen wieder hoch, die, die schon verdrängt waren…Und natürlich auch die schönen wie dem Dorfer See, in den ich am liebsten gesprungen wäre. Das und der Planet, der mit Wärme heute nicht geizig ist, führt dazu, dass ich jede Gelegenheit nutze um mich mit kühlem Quellwasser zu erfrischen, Fotos zu machen …und natürlich dabei zu verschnaufen. Die Landschaft ist wirklich atemberaubend und nicht nur die, sondern auch die Höhe zeigt Wirkung und ich komme zunehmend außer Puste.

Irgendwann muss doch der Kalser Tauern endlich erklommen sein. Ach ja, darf ich vorstellen, meine neuen besten Freunde, frisch gekauft in Kaprun aus dem Bauch heraus…Neue Stöcke aus Alu mit Klemmhebel von Comperdell, die mir auf ihrem ersten Einsatz bisher gute Dienste leisten, trotz kritischem Testbericht. Aber man muss ja nicht alles glauben was man liest, probieren geht über Studieren… Ja ohne wäre ich jetzt aufgeschmissen! Letztes Jahr noch etwas unbedarft unterwegs, ohne Stöcke, möchte ich sie jetzt nicht mehr missen. Er geht am Stock, und kommt nun auch nach ca. 2,5 Stunden am Kalser Tauern an.

Endlich, jetzt noch abwärts zum Weißsee und dann kommt die Labe in der Rudolfshütte. Bevor die allerdings erreicht ist geht es noch einen Hang hoch zur Hütte vorbei an kopfschüttelnden Touristen und anfeuernden Fotografen. Aus der Sonne in den Skikeller, hier gibt es allerhand leckere Sachen, die mir aber nicht so recht schmecken wollen. Zuerst muss ich mal die Örtlichkeiten aufsuchen, ein WC Träumchen…Trailrunnerluxus sozusagen. Dann noch Flasche füllen und weiter.

VP4 – VP5 Rudolfshütte bis Mooserboden

Also weiter im Text/Trail und gerade hier abwärts von der Rudolfshütte zum Tauernmoossee heißt es aufgepasst Konzentration hochhalten. Teilweise stark ausgewaschener Gebirgspfad…Die Cracks rasen in 12 Minuten runter ich brauche 34 aber ich will ja in einem Stück in Kaprun ankommen! Trotz aller Vorsicht versuche ich natürlich jede Beschleunigungshilfe mitzunehmen und alle laufbaren Passagen durchzuziehen, denn das Kraxeln geht ja noch weiter.

Unser nächster Höhepunkt im wörtlichen Sinn auch unser letzter, der Kapruner Törl ist zwar nicht weit, dennoch vergehen auf den 6,5km von der Rudolfshütte zum Törl 2 Stunden und 16 Minuten. Ja ich kenne den Weg, das macht es heute aber nicht einfacher. Verschnaufen, trinken, irgendwie da hoch immer schön im Wechsel, gefühlt kann ich mittlerweile die Scharren nicht mehr zählen die schon an mir vorbei sind. Darüber sollte sich jeder Mittelgebirgsläufer im Klaren sein, der Großglockner Ultra-Trail ist kein Spaziergang und alles andere als einfach, egal ob 30, 50, 75 oder 110 Kilometer gerade die Hochgebirgsabschnitte sind technisch und konditionell anspruchsvoll. Ja, man kann trainieren, Höhenmeter sammeln, Treppen laufen, nüchtern die Anstrengung simulieren, aber für die Höhe und solches Terrain gibt es nur die Berge als Trainingsplatz.

Ich genieße selbstverständlich auch weiterhin die atemraubende Landschaft hier in der „Weißseegletscherwelt“, auch deshalb sind wir ja hier unterwegs, nicht nur um uns zu schinden. Immer schön hinter den zugegebenermaßen dünnen Scharren her, mehr als zwei drei ziehen nun nicht mehr aneinander vorbei. Nach oben, habe ich die Hitze schon erwähnt? Ja, ja ich weiß das Gejammer wird ja immer schlimmer, aber bald sind wir oben. Juhu! Gleich nach dem Übergang/Pass/Kapruner Törl geht bzw. klettern wir über riesige Felsbrocken nach unten.

Einer der Mitleidenden hier oben nimmt die Versicherung des Mannes der Bergwacht, dass es nur ein Stück sei und weiter unten nicht mehr so schlimm, nicht stillschweigend hin. Er flucht lauthals, was das hier mit Trail Running zu tun haben soll was wir hier machen? Nix würde ich sagen, außer dass die Trailrunner schon vor uns runter gerannt sind und die Amateure krabbeln jetzt halt. Scherz! Ich kenne es ja schon und Jammern hilft nichts. Was nun folgt ist das Schneefeld und ich bin über glücklich meine Stöcke dabei zu haben, ich falle natürlich trotzdem auf den Hintern. Hinzukommt, in diesem Jahr ist die Passage viel länger!

Auch wenn sie kein Ende nehmen will, endet sie dann doch. Und genau wie im letztem Jahr gönne ich mir nach dem weißen Schmodder eine Pause mit frischem kühlem Wasser aus demselben Bach. Mit dem Unterschied das ich mich erst mal setzen muss. Die Vorbeilaufenden schauen mich erstaunt an, jetzt geht es doch bergab…Ja, aber das Schneefeld hat mich ganz schön mitgenommen und ich muss mal halten.

Hier habe ich im letzten Jahr ein großartiges Foto geschossen, man kann jetzt nämlich die Stauseen blitzen sehen…und der Ausblick ist die viele Anstrengungen wehrt. Wenn ich erst da unten bin…aber erst mal aufraffen und weiter. Immer bergab geht es und man kann es bedingt rollen lassen, aber nur bedingt, kein Vergleich mit Mittelgebirgsidyll, eher harte Hochgebirgsrealität.

Vor mir ist schon lange keiner mehr zu sehen, gerade sind zwei drei Leute an mir vorbei, sitze auf einem Felsblock und muss so ausgesehen haben wie ich mich fühle, bescheiden…den die Frage nach meinem Befinden klang besorgt. Ich versicherte den Kollegen das alles Ok sei. Mir fehlte“ nur“ die Energie und ich suchte nach etwas Passendem in meinen Taschen. Fast alles schon aufgebraucht, hätte mehr zu mir nehmen müssen in der Rudolfshütte…Irgendwo muss doch noch Traubenzucker stecken! Ja, das war genau das was ich jetzt brauchte. Sitze trotzdem noch ein bisschen und genieße diese atemberaubende Landschaft. Es wird aber zusehend dunkler, das Wetter schlägt um bzw. es braut sich was zusammen.

Ich muss weiter und raffe mich auf. Vor mir keiner oder nur sehr weit entfernt, und hinter mir auch Niemand, es geht um den Stausee Mooserboden  und man kann weit voraussehen. Ich komme auch wieder zusehends besser in Fahrt, mir war wohl der Sprit ausgegangen könnte man sagen. Und jetzt war wieder Energie da. Kurz vor Ende der See Runde/Anfang Staumauer taucht ein Schild am Wegesrand auf, „noch 20 Kilometer bis zum Ziel“. Ich schaute auf meine Uhr und war perplex, über 60 Kilometer sagte das Handgelenk. Und 60 Kilometer +20 Kilometer sind jedenfalls keine 75 Kilometer.Von wegen! Jetzt erst recht dachte ich nur, Mutterseelen allein, scheiß egal, ich fing an zu grinsen. Mit freudigem Gesicht geht es Richtung Labestation, da kann auch der beginnende Regen nichts daran ändern. Schnell noch die Weste an und ab über den Damm. Leider ist die Zeit mittlerweile deutlich über meine Wünsche hinausgeschossen.

Wird nix mit Abendbrot um 19 Uhr im Dorfkrug. Aus dem Regen wird langsam ein Gewitter, und ich rette mich unter ein Zelt bei der Labe. Hier sitzen schon einige, mehr als ich vermutet hätte. Jetzt heißt es eine Entscheidung treffen, denn meine Stirnlampe ist schon in Kaprun, zusammen mit den anderen Dingen, die ich für entbehrlich gehalten habe. Aber wie ihr ja gelesen habt, bin ich wieder voll motiviert und ich gehe das Risiko ein. Zuerst werden die Speicher ein letztes Mal gefüllt, Schokolade, Melone, Cola, Salzstangen usw. Zusätzlich wird meine kleine Flasche mit der schwarzen Zuckerlösung befüllt. Es gibt zwar am Kesselfallhaus noch eine Auftankmöglichkeit allerdings ist mir die schon im Vorjahr entgangen…insgeheim hoffe ich das die Fahrweg Tunnel zum runterlaufen geöffnet sind, ich habe es jetzt ja eilig vom Berg zu kommen, aber an der Verpflegung gibt es keine Info. Also Regenjacke an und los.

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