Der Juni ist noch nicht vorbei, trotzdem kann ich nun schon mein Fazit ziehen. Warum? Dazu später mehr.

Der Juni lief von Beginn an perfekt. Höhenmeter, Distanz und die Qualität meiner Trainings waren, wie ich mir das vorstellte. Woche für Woche konnte ich schätzungsweise 120 km und 3.000 Höhenmeter plus x trainieren. Dazu kam noch die ein oder andere Radfahrt, da ich das Auto der Umwelt zuliebe zu Hause stehen ließ.

Ochsentour

Am 2. Juni traf ich mich mit meinen Kumpels Ryan und Ross bei Börfink im Hunsrück. Nach langer Zeit konnten wir 3 endlich wieder zusammen laufen. Ich entdeckte die Strecke bei Outdooractive. Die Anfahrt von Bernkastel dauerte 45 Minuten. Der Rundkurs ist ein Traum. Sehr abwechslungsreich, ein hoher Trailanteil und sehr schattig. Die Börfinker Ochsentour kann ich zum Laufen oder Wandern absolut empfehlen. Da die Strecke ziemlich mittig zwischen meinem und Ryans Wohnort liegt, werden wir uns hier wohl noch öfter in Zukunft treffen.

https://www.saar-hunsrueck-steig.de/traumschleifen/boerfinker-ochsentour

Kröver Mitternachtslauf

Nach langer Corona-Zwangspause fand der Kröver Mitternachtslauf wieder statt. Für mich ist dieses Rennen ein absolutes Highlight im Jahr. Mir gefällt es, in der Dunkelheit durch die engen Gassen von Kröv zu laufen, angetrieben von vielen Zuschauern, die sich vorwiegend im Zentrum des Dorfes, aber auch entlang der gesamten Strecke versammeln. Die Strecke ist 9 km lang und etwas wellig. Jahr für Jahr lockt das Rennen auch richtig starke Läufer an, so waren dieses Jahr Julien Jeandrée, der auf 10 km eine Bestzeit von unter 31 Minuten stehen hat und Jonas Lehmann, der eine Woche zuvor beim Luxemburg-Marathon als schnellster Europäer nach 2:25:36 (h:mm:ss) ins Ziel kam.

Das Rennen lief für mich besser als erwartet und es wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Von Beginn an ging ich hohes Tempo. Die ersten drei Läufer waren schnell weg, aber auf Platz 4 und 5 entwickelte sich ein super spannendes Battle zwischen meinem Trainingspartner und Freund Oliver Ewen und mir. Normalerweise ist Oliver schneller als ich, aber an diesem Tag konnte ich mithalten. Es war ein ständiger Wechsel zwischen uns. Wenn es leicht bergauf ging, übernahm Oli die Führung, wenn es bergab ging, hatte ich die Nase vorn.

Dann ging es nach einer Spitzkehre auf die Zielgerade. Dort konnte Oliver noch mal entscheidend das Tempo erhöhen, was ich nicht mithalten konnte. Am Ende trennten uns 4 Sekunden, so knapp war es noch nie zwischen uns. Ich wusste: Ich bin auf einem guten Weg. Es hatte sich verdammt gut angefühlt. Auf meiner Instagramseite gibt es ein Video dazu, denn ich hatte die GoPro während dem Rennen dabei. Ich glaube, die Stimmung und die Spannung des Rennens ganz gut damit eingefangen zu haben. Ich freue mich jetzt schon mega auf nächstes Jahr.

https://www.mitternachtslauf-kroev.de/

Calmont

Zur Vorbereitung auf den ZUT war ich auch wieder im Calmont unterwegs. Mittlerweile habe ich einen verdammt genialen 18 km langen Rundkurs zusammen gebastelt. Die Runde an sich hat zwischen 800 und 900 Höhenmetern und einen sehr hohen Anteil an Singletrails. Wenn man unbedingt noch mehr Höhenmeter möchte, kann man z. B. die beiden Anstiege zum Gipfelkreuz und die Todesangst wiederholt erklimmen.

Dann kommt man ganz leicht auf über 1000 Höhenmeter bei 20 km Strecke. Ich glaube nicht, dass man sich hier in der Gegend besser auf das vorbereiten kann, was einen beim ZUT alles erwartet. Besonders froh bin ich, dass ich Ross bei seinem ersten Besuch im Calmont diese Strecke zeigen konnte. Er war ziemlich begeistert. Und auch ganz schön kaputt, denn er hatte längere Zeit mit Achillessehnenproblemen zu kämpfen und das war sein längster Lauf nach langer Zeit.

Laufen mit Hund

Mit Mio war ich auch wieder viel unterwegs, wobei ich da schon aufpassen musste, dass ich es nicht übertreibe mit ihm. Die Temperaturen waren früh am Tag schon sehr hoch und er verträgt Hitze überhaupt nicht. Außerdem trocknen Bäche langsam aus und Pfützen sind langsam auch Mangelware. Ich muss dann im Vorfeld schon immer überlegen, wo es Möglichkeiten für den Hund gibt, sich abzukühlen und zu trinken. Die Läufe mit ihm fanden dann auch immer bei Sonnenaufgang statt. Das hatte dann aber auch den Vorteil, sehr, sehr schöne Fotos und Videos zu machen 😊

1. Trailrunnersdog Community Run

Was für ein toller Tag! Ganz ehrlich. Großartige Leute sind Saschas und meinem Ruf gefolgt und mit uns morgens um 9 Uhr in den heißesten Tag des Jahres gestartet. Als wir den Termin fixierten war meine größte Angst, dass es an diesem Tag regnen würde. Dass Hitze zum Problem werden könnte, hätte ich nicht gedacht. Aufgrund der Hitze erreichten uns Tags zuvor noch ein paar Absagen. Trotzdem fanden sich neben Sascha und mir noch 9 weitere unerschrockene und neugierige Läufer ein, die Lust darauf hatten neue Trails kennenzulernen. Ich bin über das viele positive Feedback zur Strecke, zur Verpflegung und unserer Organisation so glücklich!

YouTube player

Ich habe nette und interessante Leute kennengelernt. Besonders dankbar bin ich allen für Ihre teils weite Anreise, die sie auf sich genommen hatten. Und ein besonderer Dank geht raus an meine Schwiegermutter, die nicht nur das Verpflegungsauto fuhr, sondern uns auch noch mit einem super leckeren Schokokuchen und geschälten und enthäuteten Orangen 😊 versorgte. Zum Ende des Laufs, das gebe ich gerne zu, wurde es unangenehm heiß. Es war dann auf jeden Fall gut, dass das Ziel nach 27 km kam und wir uns im Schatten abkühlen und stärken konnten. Insgesamt war es von der Hitze erträglich, denn der überwiegende Teil der Strecke war sehr schattig.

Für alle, die die Strecke mal nachlaufen möchten, ist hier der Link: https://www.outdooractive.com/de/route/trailrunning/moseltal/trailrunnersdog-community-run/239996438/?share=%7Ezspgwuxk%244ossnykm

6. Hunsrücktrail in Mörschied

Einen Tag nach dem Community Run startete ich im Hunsrück beim 6. Hunsrück Trail. Nach einem 2. Platz 2019 mein zweiter Start dort. Mein Ziel war klar, ich wollte das Ding gewinnen. Um 9 Uhr war Start bei sehr sommerlichen Temperaturen. Über seine Konkurrenz weiß man eigentlich nie Bescheid bei solch einem Rennen. Daher war meine Taktik wie folgt: Von Anfang an ein hohes Tempo zu gehen. Im besten Fall eine große Lücke zum Rest des Feldes zu gewinnen, um dann in meinem Tempo das Rennen zu Ende zu laufen und für einen eventuellen Schlussspurt Kräfte zu sammeln.

Nach 5 km hohem Anfangstempo merkte ich, dass sich ein Läufer an meine Fersen geheftet hatte und dass ich ihn auch so schnell nicht loswerden würde. Im Gegenteil, er überholte mich und es fiel mir schwer an ihm dranzubleiben. Vor allem in Passagen, wo es Berg hochging, musste ich immer das Tempo drastisch reduzieren. Wäre ich sein Tempo mitgegangen, wäre vor lauter Hitze mein Kopf explodiert. Daher dachte ich, es wäre besser ruhig zu bleiben, den Puls nicht zu hoch steigen zu lassen. Das Rennen hatte noch einiges an Höhenmetern zu bieten.

Bei km 14 gingen wir gleichauf in den technisch schwierigsten Part der Strecke. Hier zeigte sich wieder eklatant, wie schlecht ich in diesem Terrain unterwegs bin. Ich schätze diese Strecke, querfeldein durch den Wald einem ausgetrockneten Bachlauf entlang, war ca. 1 km lang. Ich verlor bestimmt eine halbe Minute auf Stefan Wurdel, Sieger von 2017. Nach diesem Abschnitt dachte ich, dass es das war. Er machte bis zu diesem Zeitpunkt nicht den Anschein, dass er schon am Limit lief. Das merkte ich kurze Zeit später, als es das erste Mal so richtig einen Berg hochging. Stefan ging den Berg hoch und ich konnte ihn überholen.

Ich war erstaunt und hielt ab da mein Tempo recht hoch, um klarzumachen, dass ich noch viel Kraft übrig habe und an mir dranzubleiben keinen Sinn ergeben würde. Im weiteren Rennverlauf blickte ich in langen Geraden immer wieder zurück, um zu schauen, ob noch jemand an mich herankommt.

Obwohl niemand zu sehen war, lief ich nah am Limit und so konnte ich mit 9 Minuten Vorsprung auf den 2. Platzierten und einer leicht verbesserten Zeit zu 2019 das Rennen gewinnen.

Danach gewährte ich mir 2 Tage Laufpause. Die waren auch dringend nötig, denn meine Beine waren danach ziemlich kaputt.

Mittwoch, 22. Juni

Morgens vor der Arbeit bin ich mit einem lockeren 10er mit meinem Hund in den Tag gestartet. Auf Strava postete ich noch, dass ich jetzt top motiviert in die letzten Wochen Training für den ZUT einsteige. Und ich war wirklich zu diesem Zeitpunkt so gut drauf, ich hatte so viel investiert, die Vorfreude war so groß. Abends ging es dann in den Calmont. Ich wollte wie so oft in der Vergangenheit 1.000 Höhenmeter auf 10 km trainieren. Beim ersten Downhill spürte ich allerdings, dass meine Beine noch nicht so weit waren. Die Spritzigkeit, die Flexibilität fehlte, um in diesem technisch so anspruchsvollen Gelände sicher durchzukommen. Ich überlegte mir eine Alternative, weil dieses Training so kurz nach dem Hunsrück Trail zu früh wäre. Ich verließ den Trail und lief an einer Hütte vorbei. Der Vorplatz war eben, kein Stein lag herum, auf den man aufpassen müsste.

Ich war in Gedanken. Mein Laufstil war entspannt, locker. Und dann passierte es. Ich knickte um. Aber nicht so wie sonst. Heftig. Die Schmerzen waren brutal. Ich schrie wutentbrannt. Ich schmiss meine Wasserflasche frustriert auf den Boden. Ich konnte es kaum fassen. Bin ich jetzt hier wirklich umgeknickt? Nach einer Weile versuchte ich noch mal so etwas wie einen Lauf. Aber es war unmöglich. Die Schmerzen waren so unfassbar groß. Über einen Kilometer quälte ich mich zum Auto. Hielt meinen Fuß eine viertel Stunde in den Bach und fuhr dann nach Hause. Mein Traum vom ZUT war da schon so gut wie begraben, die Diagnose des Arztes besiegelte mein Aus.

Die Schaufel und das Loch

Am Morgen danach waren der Frust und die Enttäuschung riesengroß. Tränen flossen. Im Moment meiner besten Form kam die Erkenntnis, dass das alles umsonst war. Mein großer Traum war der ZUT. Darauf war alles ausgerichtet. Überhaupt, die Vorfreude auf das Wochenende. Viele bekannte Gesichter endlich wiederzutreffen. So viele Gleichgesinnte (genauer gesagt Gleichverrückte) zu treffen, neue Leute kennenzulernen, das größte Trailrennen Deutschlands zu laufen. Darauf hatte ich mich so unendlich gefreut. Aus der Traum.

Jetzt heißt es erst mal Daumen drücken. Kommenden Freitag steht ein MRT-Termin an. Da muss dann erstmals geschaut werden, ob ein vermeintliches Bruchstück, dass auf den Röntgenbildern schlecht zu erkennen war, operativ entfernt werden muss. Ich habe schon viele aufmunternden und Mut machende Worte von Freunden und Bekannten erhalten. Ich versuche nach vorn zu schauen. Ich versuche auszublenden, was ich bis hierher investiert habe. Das hatte ja Spaß gemacht. Ich musste mich dazu nicht zwingen. Insofern glaube ich fest daran, dass ich diese Form wieder erreiche. ZUT 2023: ich komme. Bitte, liebes Plan B Team. Schiebt mich einfach auf die Starterliste 2023. Machts mir nicht zu schwer. Während Corona war es ja auch kein Problem meinen Startplatz ins nächste Jahr zu schieben. Ich warte auf Antwort.

An alle Leser: genießt jeden Lauf da draußen! Es geht so schnell. Bleibt gesund und motiviert! Ich hoffe, ihr könnt euch eure Träume und Ziele dieses Jahr erfüllen!

Ich komme wieder!

Den Artikel „#beatlastyear – Juni haben wir dank der Unterstützung unserer Mitglieder schreiben können. Wenn es dir gefallen hat, würden wir uns freuen, wenn auch du uns bei Steady unterstützt. Dann können wir in Zukunft noch mehr davon produzieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

nv-author-image

Michael Comes

Michael ist erst 2019 so richtig auf den Trail gekommen, hat aber Blut geleckt. Er läuft meistens mit seinem Labrador-Magya Vizlar Mix Mio und kommt ebenfalls von der schönen Mosel.View Author posts