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Die Sache mit der Eigenverantwortung

Warum ich für mehr Eigenverantwortung unter uns Läufern plädiere, warum es nicht ratsam ist sich auf Veranstalter zu verlassen und warum ein DNF keine Schande ist, erfahrt ihr im Blogpost.

Es heißes Wochenende liegt hinter und vermutlich auch noch das eine oder andere vor uns. Es ist Sommer.

Am vergangen Wochenende fanden mal wieder unzählige Laufveranstaltungen auf allen nur erdenklichen Distanzen statt. Trotz zum Teil 40° Grad Celsius am Wettkampftag. Viele Läufer, Triathleten und Mountainbiker litten unter der Hitze, definitiv kein Bestzeitenwetter.

Es hagelte viele DNFs am Wochenende

Einige Athleten bekamen sogar so sehr Probleme, dass sie sich in medizinische Behandlung begeben mussten. Die führende Frau beim Ironman Frankfurt, Sara True taumelte kurz vor dem Zieleinlauf und musste knapp vor dem Ziel aufgeben. Wie viele Alterklassenathleten ein DNF an dem Tag hinlegten, weiß ich nicht. Die Ausfallquote dürfte allerdings hoch gewesen sein. In Hamburg beim Halbmarathon mussten über 50 Läufer ins Krankenhaus eingeliefert werden. Zum Teil war wohl kein Wasser mehr an den VPs verfügbar. Beim STUNT 100 Meilen Lauf kamen von 14 Startern nur 4 ins Ziel. Auch beim Kölnpfad gab es viele Wanderer und Läufer die vorzeitig abbrechen mussten.

Es gab also auf jeder Distanz und Leistungsklasse Ausfälle. Was mir dabei aber aufgefallen ist, ist die Berichterstattung und das Echo in den sozialen Medien. Je kürzer die Distanz, desto größer war der Schrei der Empörung und die Verwunderung über die Teilnehmer die dort trotz sehr hohen Temperaturen starteten. Ganz schlimm hat es wohl den Hella Hamburg Halbmarathon getroffen. Dort gab es viele Ausfälle und Probleme bei der Wasserversorgung auf der Strecke. Unverantwortlich vom Veranstalter, da ist sich die Läuferschar wohl einig. Es könne nicht sein, dass ein Wasser”hersteller” die Versorgung nicht auf die Reihe bekommt. Ich möchte da grundsätzlich überhaupt nicht widersprechen, da hat die Logistik wohl versagt.

Don’t blame others!

Dem Veranstalter allerdings jetzt die gesamte Schuld für die Misere in die Schuhe schieben zu wollen, halte ich für falsch.

Ich denke ein Teil des Problems ist das “Mindset” der Läufer auf den kürzeren Distanzen. Ohne jetzt “uns” Ultraläufer hier unnötig erhöhen zu wollen, hört man solche Beschwerden von Langstreckenläufern nur selten. Warum ist das so? Sind Ultraläufer die besseren Läufer? Sind Ultraläufer “härter” als Marathonläufer Läufer auf eines 10 Kilometerlaufes?

Meine Antwort ist hier ein klares nein, es geht hier nicht um besser oder härter. Es geht hier einzig und alleine um die Eigenverantwortung die wir Sportler haben.

Ich habe das Gefühl, dass je kürzer die Strecke ist, dieses Bewusstsein für die Eigenverantwortung kleiner und kleiner wird. Mir geht nicht in den Kopf, wie man sich bei so essentiellen Dingen wie der Flüssigkeits- oder Energieversorgung auf einen Veranstalter verlassen kann. Als Läufer eines 10 km Laufes wird man zum Teil nur belächelt, wenn man mit Trinkrucksack unterwegs ist. Es wird als Schwäche angesehen, denn “10 km wird man ja wohl auch ohne etwas zu Trinken laufen können”. “Ich habe für die Versorgung auf der Strecke bezahlt”. Das sind Argumente gegen eine Eigenversorgung die ich oft zu hören bekomme.

Kenne deine Grenzen und übernimm Verantwortung!

Aber mal ehrlich, wenn ich im Sommer (oder wann auch immer) an einem Wettkampf teilnehme, an dem ich auch schon bei “normalen” Temperaturen an mein Limit oder zumindest sehr nah dran gehen muss, dann sorge ich vor. Dann verlasse ich mich auf niemanden als mich selbst. Egal ob mich alle 2-5 Kilometer ein Verpflegungspunkt erwartet oder nicht. Dann laufe ich verdammt nochmal mit einer Notfallreserve an Wasser oder Verpflegung.

Hier kommt dann aber vielleicht wieder dieses andere Mindset aus der Langstreckenszene zum Tragen. Wer Marathon oder Ultramarathons läuft, der läuft in der Regel nicht unvorbereitet. Der hat zum Einem (mehr oder weniger vernünftig) trainiert und ist zum Anderen auf eine Vielzahl von Situationen vorbereitet. Bei den allermeisten Sportlern auf der Langdistanz die ich kenne, spielt ein DNF immer eine Rolle.

Beim Kölnpfad oder KoBoLT, rechnet jeder Läufer damit, dass er am Ende mehr Kilometer auf der Uhr hat als in der Ausschreibung standen. Dort hat jeder Teilnehmer immer auch Reserven Im Rucksack um auch mal ein paar Kilometer zu überbrücken ohne gleich zu verzweifeln. Dass diese Reserven nicht immer ausreichend sind, steht auf einem anderen Blatt. Man kann sich eben nicht vor jeder Situation schützen.

Bei meinem Ausflügen in den Rad”sport” konnte ich beobachten, dass Selbstversorgung ganz selbstverständlich zu sein scheint. Egal ob beim meinem Rennradmarathon in Ochtendung oder jetzt erst kürzlich beim Canyon Rhein Hunsrück MTB Marathon in Rehns, ich habe dort niemanden gesehen, der ohne Trinkflasche und Riegel im Trikot unterwegs war. Selbst auf der Kurzstrecke über 20 km in Rhens, war jeder Fahrer soweit autonom, dass er zumindest die Abschnitte zwischen den VPs überbrücken konnte.

Achte auf dich!

Was ich sagen will ist, seid vorbereitet! Sorgt für euch auf der Strecke und legt euer Schicksal nicht in die Hände eines Veranstalters. Selbst bei einer perfekten Organisation und einem professionellen Veranstalter kann es immer mal zu Pannen kommen und dann steht ihr an einem Verpflegungspunkt und braucht dringend Wasser. Beachtet die gängigen Tipps für Läufe bei Hitze und seid nicht zu stolz mit einem Trinkrucksack an der 10 km Startlinie eures Dorflaufes zu stehen. Es ist ebenfalls keine Schande einfach mal einen Lauf nicht zu starten oder zu beenden.

Wie siehst du das? Läufst du mit eigener Versorgung oder bist du der Meinung, dass die Versorgung durch den Veranstalter ausreichen muss?





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