Hirschlausfliege – Zecke mit Flügeln

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Die Hirschlausfliege (Lipoptena cervi) gehört zur Familie der Lausfliegen und ist von August bis Oktober aktiv, also genau dann, wenn man endlich wieder entspannt durch den Wald laufen kann, weil die Zeckensaison so langsam nachlässt. Schlechtes Timing. Viele Laufende und Hundebesitzende haben das Tier schon gesehen, ohne zu wissen, was das überhaupt war. Ein kleines, staksig laufendes Insekt, das sich im Fell oder an der Haut festkrallt und einfach nicht loslässt. Das ist sie.

Was ist die Hirschlausfliege überhaupt?

Wer die Hirschlausfliege zum ersten Mal sieht, denkt meistens an eine komische Fliege oder eine Art Zecke mit Flügeln. Beides falsch, beides irgendwie nachvollziehbar. Die Lipoptena cervi ist ein parasitisches Insekt, kein Spinnentier. Sie hat sechs Beine, Zecken haben acht. Der auffälligste Unterschied: die Hirschlausfliege fliegt aktiv auf ihren Wirt zu, landet, und wirft dann ihre Flügel ab. Danach ist sie flugunfähig und bleibt, wo sie ist.

Die Fliege wird fünf bis sechs Millimeter groß, hat durchsichtige gegliederte Flügel und Facettenaugen. Ihre Beine sind mit Widerhaken besetzt, mit denen sie sich im Fell oder in Haaren festkrallt. Der Gang wirkt staksig und unkoordiniert, was daran liegt, dass sie für das Leben im Fell optimiert ist, nicht für flache Oberflächen. Im Winter ist sie nicht aktiv, der Nachwuchs schlüpft im Oktober und November und sucht sofort einen Wirt.

Hirschlausfliege Lipoptena cervi auf menschlicher Haut
Die Lipoptena cervi auf ihrem menschlichen Wirt. Nach der Landung wirft sie die Flügel ab.

Wo lebt die Hirschlausfliege?

Blöderweise teilen sich Trailrunner und Lipoptena cervi dasselbe Revier. Die Fliege ist in Wäldern der gesamten nördlichen Hemisphäre verbreitet und bevorzugt Bereiche, in denen ihre eigentlichen Wirtstiere leben: Hirsche, Rehe, Dachse und Wildschweine. Wer also gerne durch Mischwälder oder an Waldrändern läuft, ist im Revier der Hirschlausfliege unterwegs.

Ich habe die Hirschlausfliege 2018 das erste Mal bewusst wahrgenommen, obwohl ich seit Jahren durch Wälder laufe. Wahrscheinlich hatte ich sie vorher schon öfter, ohne zu wissen, was das war. Sie fliegt bevorzugt Kopf und Nacken an, also genau die Stellen, die beim Laufen oft ungeschützt sind. Wer kurze Haare hat, merkt den Stich schnell. Wer längere Haare hat, findet die Fliege manchmal erst beim Duschen.

Wie erkenne ich einen Befall?

Der Stich der Hirschlausfliege tut weh, das ist kein dezentes Kribbeln. Es gibt einen deutlichen, kurzen Schmerzpunkt, ähnlich wie bei einem Mückenstich, aber intensiver. Danach kann es zu Rötungen und Juckreiz kommen, in manchen Fällen auch zu Entzündungen. Die Hirschlausfliege trägt den Erreger Bartonella schoenbuchensis in sich, ob dieser auf Menschen übertragen werden kann, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Vorsicht ist trotzdem angebracht.

Beim Laufen merkt man einen Befall oft erst, wenn die Fliege schon eine Weile sitzt. Sie bewegt sich im Haar oder Fell kaum noch, weil sie dort gut aufgehoben ist. Der beste Zeitpunkt zum Absuchen ist direkt nach dem Lauf, am besten noch draußen, bevor man ins Haus geht.

Hirschlausfliege und Hund: was passiert und was tun?

Für Hunde ist die Hirschlausfliege unangenehmer als für uns, schon allein wegen des dichten Fells, in dem sich die Biester wohlfühlen. Ich habe selbst erlebt, wie mein Hund plötzlich irritiert wurde, sich heftig zu kratzen begann und versuchte, etwas aus dem Fell zu beißen. Die Reaktion war eindeutig: da war etwas, das schmerzte und nicht wegging. Der Stich sitzt tiefer im Fell und ist für den Hund schwerer zu erreichen als für uns.

Typische Zeichen bei Hunden sind:

  • Plötzliches Kratzen oder Beißen an einer bestimmten Stelle
  • Nervöses Verhalten, Unruhe
  • Heftige Rutenbewegungen und panisches Umdrehen
  • Bei Pferden: auffälliges Schwanzschlagen

Ein Flohkamm hilft dabei, die Fliege aus dem Fell zu bekommen. Die Hirschlausfliege trägt das Bakterium Bartonella schoenbuchensis, das beim Hund zu hohem Fieber führen kann. Wer nach einem Waldlauf bemerkt, dass der Hund sich auffällig verhält oder in den Tagen danach Fieber bekommt, sollte zum Tierarzt. Kein Bereich, in dem man abwarten sollte.

Was hilft gegen die Hirschlausfliege?

Die effektivsten Maßnahmen sind mechanischer Natur. Da die Fliege bevorzugt behaarte Körperstellen anfliegt, helfen Mütze oder Buff am Kopf und lange Bekleidung am Körper. Im Spätsommer nicht immer das, was man sich wünscht, aber wirksam. Rasierte Beine helfen übrigens nicht, das habe ich selbst ausprobiert.

Was noch hilft: die Hirschlausfliege ist nicht überall gleichmäßig verteilt. Bestimmte Waldabschnitte sind regelrechte Hotspots, andere kaum befallen. Wer einen Abschnitt kennt, in dem es regelmäßig passiert, kann diesen in den Monaten August bis Oktober meiden oder zumindest mit entsprechender Bekleidung durchqueren.

Insektenspray auf DEET-Basis soll eine gewisse Wirkung haben, verlässliche Studien dazu gibt es für die Hirschlausfliege aber kaum. Das Wichtigste bleibt: nach jedem Waldlauf absuchen, sich selbst und den Hund, bevor man ins Auto oder nach Hause geht.

Mehr Hintergrundinformationen zur Biologie der Hirschlausfliege gibt es auf Wikipedia.

Kommentare

5 Kommentare zu „Hirschlausfliege – Zecke mit Flügeln“

  1. Avatar von Rebega
    Rebega

    In 3423 st. Andrae/Woerdern (Österreich Niederoesterreich) sind sie auch angekommen.
    Rebega

    1. Avatar von Sascha

      Nicht aufzuhalten wie es scheint.

  2. Avatar von Der Pfotenfreund

    In Baden-Württemberg habe ich leider auch schon eine bei meinem Hund entdeckt. Zum Glück war es bis jetzt nur eine, mit Zecken haben wir bei uns in der Gegend leider mehr Probleme.

  3. Avatar von Fenja
    Fenja

    Die Sasion geht wieder los.
    Ich habe sie erst für Zecken gehalten, weil die Flügel bei 3 von 5 schon weg waren, aber die sind viel flinker als Zecken und kriechen ganz schön ins Fell hinein, dass man sie kaum kriegt.

    1. Avatar von Sascha

      Hallo Fenja,

      mir ist zum Glück in diesem Jahr bisher noch keine über den Weg gelaufen. In welcher Region bist du denn?

      Grüße
      Sascha

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